6/12/2004

"Mad" Parodie von "Clockwork Orange"

mit dem Titel "Crockwork Lemon" [Subterranean Cinema].

George Woodbridges Artwork ist ganz nett (i.e. komisch). Dieses lobenswerterweise ins Netz gestellte Zeitdokument hat für mich einen bemerkenswert "unprogressiven" Anstrich.

[Link gefunden bei swens blog]

Lars von Trier und Wagner

Die NYT über Lars von Trier und dessen nunmehr abgebrochenes Ring-Projekt in Bayreuth. Es wird etwas spekuliert, wie die Inszenierungen wohl hätten aussehen können. Von Triers nächster Film "Manderlay" befindet sich gerade in Post-Production. Folgender Satz ließ mich schaudern

He [von Trier] seemed to have a special bond with this composer, particularly with Wagner's central Romantic ideal of the redemption of a hero by the sacrificial love of a woman.

...weil es gerade die allzu opferbereiten Heldinnen waren, die mir die Wertschätzung von Triers letzten Filmen trotz ihrer formalen Reize sehr schwer gemacht haben.

"Johnny Weissmüller"-Ausstellung in Ulm

Matthias Kolb bringt in der Berliner Zeitung auf nette Art und Weise etwas Licht in die diffuse Biografie Johnny Weissmüllers. Auch wenn es hier wie dort drüber steht: Die Ausstellung in Ulm zu Weissmüllers 100. (siehe bei uns auch hier) wird nicht näher vorgestellt.

With Stalin at the movies

"The Soviet dictator was also a film buff who'd teach Eisenstein how to make movies. Simon Sebag Montefiore delves into the newly opened Politburo archive."

Artikel im Telegraph, via Bitter Cinema.

Val Guest: The Day the Earth Caught Fire

Doug Cummings von Filmjourney verzichtet auf den Besuch des jüngsten Emmerich-Blockbusters, bespricht dafür ausführlich etwas viel Feineres: Val Guests Katastrophenfilm-Klassiker "The Day the Earth Caught Fire":

The disaster genre is not generally known for its insights into characters or its clever screenplays, but The Day the Earth Caught Fire is an admirable exception. Its attention to the inner and outer lives of its protagonists makes its physical doom an externalized metaphor for Stenning's personal life, off-kilter and spinning out of control, both fates equally weighted between hope and despair. My advice for those seeking end-of-the-world entertainment? Skip the multiplex this weekend and rent this intelligent and bittersweet film, fully deserving of a rediscovery.

US-Starts bei Filmforce

Die neuen US-Starts des Wochenendes - Chronicles of Riddick, Stepford Wives, Garfield and Napoleon Dynamite - stellt Filmforce vor, mit zentralen Informationen, kurzen Kritiken und Einschätzung der Erfolgsaussichten.

My Sassy Girl

Filmbrain setzt seinen Trip in den fernen koreanischen Filmosten fort. Nachdem er erst erklärt, dass er RomComs in der Regel nicht mag, hat er über den koreanischen Sensationserfolg "My Sassy Girl" doch eher Nettes zu sagen:

The film takes a serious turn in the final thirty minutes, and though it dangerously flirts with syrup, it manages to maintain enough distance. Even hardened-cynical Filmbrain was a little taken by the slight twist at the end.

6/11/2004

Not Billy but Willie

Sean Spillane stellt in seinem hervorragenden Weblog Bitter Cinema Billy Wilders Bruder Willie Wilder vor, der, nach Jahren erfolgreichen Handtaschenverkaufs, sich dazu entschloß, es seinem berühmten Bruder nachzutun. Heraus kamen dabei jedoch keine Filmklassiker, sondern eine ganze Reihe mir bislang leider noch unbekannter B-Movie-Schoten mit so wunderschönen Titeln wie Killers from Space oder The Man without a Body. Aber lesen Sie doch einfach selbst!

China und der phantastische Hongkong-Film

Dass die Hongkonger Filmindustrie ein natürliches Interesse am Mainland-Markt hat, ist offensichtlich. Allerdings sind in China Filme mit übernatürlichen Inhalten verboten - darunter fällt beispielsweise auch Ein Schweinchen namens Babe, weil nicht sein kann, dass eine Sau spricht. Wie geht nun China mit den zahlreichen phantastischen Filmen, für die wir Hongkong lieben und verehren, um? Stefan Hammond, Autor von Sex and Zen: The Essential Guide to Hong Kong's Mindbenting Films, klärt uns auf.

Zensur im Iran

Von allen Seiten ist derzeit zu hören, dass die Film-Zensur im Iran in letzter Zeit deutlich schärfer geworden ist. Der Guardian berichtet ausführlich:

On May 4 the ministry denied permission to the award-winning director Mohsen Makhmalbaf to make a new film entitled Amnesia. Makhmalbaf, director of Kandahar, had been working on the script for years and had planned to start filming last month. "It seems that the new censorship strategy intends to push the Iranian artists to migrate from the country," Makhmalbaf said in a statement.

[via Greencine]

Kunst & Sex in China

Reuters berichtet über eine neue Praxis in China. Einheimische Arthouse-Filme werden als Sex-Produktionen auf dem vergleichsweise liberalen DVD-Markt verkauft. Meist eher gegen den Willen der Macher:

In a country where people watch far more films at home on disc players than in the cinema, "Maiden Work" is one of many thematically risque pictures that never stood a shot at the big screen. But after a bit of sexing up by unscrupulous DVD producers, the film has finally found its niche, an improbable twist of fate for a low-budget art house work battling for market access.

[via indiewire insider]

"The Punisher": kurz und klein

Filmfilter-Mitarbeiter Thomas Groh schreibt bei telepolis über die absurden Kürzungsmaßnahmen der FSK an der Comic-Verfilmung "The Punisher":

Nach der ebenfalls ärgerlichen Kürzung von Troja besitzt der Fall "Punisher" eine neue Qualität: Handelte es sich bei der Kürzung von Petersens recht freier Ilias-Adaption noch um eine marktstrategische Überlegung des Filmverleihs - ab 12 freigegebene Filme sprechen naturgemäß einen größeren Markt an als Filme ab 16 -, wurde hier der Columbia seitens der FSK förmlich die Pistole auf die Brust gesetzt: Ohne Schnitt keine Kinoauswertung. Das Nachsehen hat der dergestalt bevormundet mündige Filmfreund im Kino, bzw. infolge einer sich im Internet zusehends formierenden Boykottbewegung der einzelne Kinobesitzer.

Im Filmtagebuch rezensiert er ausführlich ein Edgar-Wallace-Kompendium.

Freitag: Film

Der Freitag ist heute arm an Film. Eine einsame Rezension zum Tom McCarthys "The Station Agent" (filmz). Die aber ist sehr freundlich:

An Station Agent lässt sich von daher eine wesentliche Bedingung für das Gelingen eines handlungs- und aktionsarmen Films beobachten. Im Gegensatz zur Geschichte über den Akkordeon spielenden Schultze, der es trotz der starken Bilder von der Bergbautristesse Sachsen-Anhalts und der bizarren Sumpflandschaft Louisianas an einem tragenden Spannungsbogen mangelte, gelingt es Tom McCarthy vor allem aufgrund seines exzellenten Drehbuchs, dem Film zu einer vibrierenden Lebendigkeit zu verhelfen.

6/10/2004

Greencine: Bollywood

Bei Greencine ein Artikel von Priya Lal (den ich allerdings schon mal irgendwo anders gelesen habe) über die ihrer/seiner Ansicht nach überschätzten Chancen Bollywoods, es auch im Westen zu schaffen:

Lately, the buzzword among culture vultures and cinephiles has been that Bollywood is on its way to becoming the "next Hong Kong." In other words, Bollywood will be the next foreign filmic product in America to go from fringe phenomenon and cult treasure to mainstream super-success in suburbia's megaplexes. The record-breaking international reception of 2002's Lagaan largely propelled this prophecy which has yet, nonetheless, to be properly filled. For Lagaan seems to have been the only example of an Indian film that has managed to walk the tightrope between the two sets of expectations outlined above and make it to at least a semblance of commercial and critical success in the US fairly unscathed.

DOX

DOX ist eine dänische Zeitschrift und im Netz gibt es sie im Grunde nicht. Sie widmet sich, ganz und gar, mit Haut und Haar, dem Dokumentarfilm. Es gibt sechs Ausgaben im Jahr, vor mir liegt die für Mai/Juni. Darin wird kurz berichtet, dass Suzette Glendel als Direktorin des Pariser Dokumentarfilmfestivals "Cinéma du Réel" nach einem Eklat zurückgetreten ist. Die zweite Vorstellung des sehr israelkritischen Films "Route 181 - Fragments of a Journey" von Michel Khleifi und Eyal Sivan wurde von den Organisatoren (u.a. das Kulturministerium, das Centre Pompidou) abgesagt - aus Angst, dass der Film dem Antisemitismus Vorschub leisten könnte. Glendel betrachtet dies als Eingriff in ihre Kuratorenfreiheit und gibt ihren Posten nach 17 Jahren ab.

Im Bericht aus Paris wird der Film von Anette Olsen so beschrieben:

More moderate views are also expressed, but the main issue of the film seems to be to zoom in on the most radical views that separate the two sides of the conflict, and that describe the kind of reality that exists in Israel today.

Gezeigt wurde der Film "Clean Thursday" des Russen Aleksandr Rastorguev - "a reflection on the Chechnya wrapped in lyrical images", und deshalb in Russland verboten.

Auch in seiner Heimat von der Zensur unterdrückt: "Dream of Silk" der iranischen Filmemacherin Nahid Rezaei, die ihr altes Gymnasium besucht hat - und die Klagen der jungen Frauen über die unwürdigen Lebensbedingungen für Frauen im Iran dokumentiert.

Es gibt ein Interview mit dem chilenischen Dokumentarfilmer Patricio Guzmán, das dem Buch "The Documentary Makers" von David A. Goldsmith entnommen ist. Darin berichtet Guzmán unter anderem, wie ihm im Jahr des Sturzes von Salvador Allende Chris Marker mit Filmmaterial aushalf, ohne das der Polit-Doku-Klassiker "The Battle of Chile" nicht hätte entstehen können.

Barbara Lorey de Lacharrière berichtet (als Jurorin) aus Mumbai von großem Streit um das renommierte MIFF (Mumbai International Film Festival), das in diesem Jahr erstmalig nur von der Zensur genehmigte Filme zeigte. Einige renitente Filmemacher haben spornstreichs ein Gegenfestival gegründet, VIKALP. Dem MIFF hat die Maßnahme geschadet:

The sad fact that filmic quality was certainly not the major criterion of the selection committee became abundantly clear as the festival programme unfolded. [Der Vorsitzende der internationalen Jury, der Australier Tom Zubricki meinte bei der Abschlussveranstaltung]: "We felt that many of the films included were simply not documentaries. Instead, they appeared to be sponsored and promotional programs.

Lobend erwähnte werden dennoch: "Surpryio Sen's poignant, personal documentary about the largely unknown horrors of the partition of India, Way Back Home", der alle drei Hauptpreise gewann. Außerdem der bulgarische Balkan-Film "Whose is the Song?" von Adela Peeva.

Rezensionen: Sehr gelobt wird der iranische Film Kurzfilm (27 min) "Siyamo: The Black-Haired Girl" von Mahmoud Reza Sani, der den Rezensenten Jerry White in der Verwischung der Grenze zwischen Realität und Fiktion an Kiarostamis "Close Up" erinnert:

This film is, then, part of the next step for Iranian cinema. It takes the formal and thematic elements that have made Iran such a hotbed of exciting work in film, and mixes them with the digital technology that is transforming image-making all over the world."

Cecilia Lidin ist fasziniert von Sonja herman Dolz' "The Master and his Pupil", der eine Meisterklasse des Dirigenten Valerie Gergiev beobachtet.

taz: film

In der taz wird heute rezensiert.

1) Cronenbergs "Spider" (unsere Kritik), von Tom Holert, mit viel Psychoanalyse und sonstiger Theorie:

Auf den ersten Blick schleppt sich hier, im Zeitlupen-Tempo seines Protagonisten, ein behäbig inszeniertes Psycho-Narrativ dahin - absolut frei von Suspense, selbst in jenen Momenten, in denen sich das traumatisierende Geschehen zuspitzt. Doch markieren die öden Orte der Handlung und die tristen Tropen der Erzählung für Cronenberg keine Spätwerk-Einkehr ins Konventionelle, nach einem langen Leben als Autor des Abjekten. Mit deleuzianischer List wird der Film vielmehr in ein irritierend interaktives Verhältnis zu seinen BetrachterInnen gesetzt.

2) Michel Gondrys "Human Nature" (unsere Kritik) nach Charlie Kaufmans Drehbuch. Andreas Busche ist ein bisschen hin-, dann aber doch eher hergerissen:

Doch Gondrys Film und Kaufmans Skript spielen nur die nächstliegenden Möglichkeiten dieser viel versprechenden Grundidee durch - als wäre eine werkgetreue Shakespeare-Rezitation schon der Gipfel der Kultiviertheit. Kaufman sollte es besser wissen. Mit seinem Drehbuch zu "Adaption" hat er die Irrtümer menschlicher Verhaltensweisen hintergründiger auseinander gefriemelt. Die Essenz der menschlichen - oder der männlichen? - Natur fasst Nathan in "Human Nature" wie folgt zusammen: "Wenn du zweifelst, tu nie, was du wirklich tun willst." Ganz so einfach gestaltet sich das richtige Leben im falschen dann doch wieder nicht. Am Ende nämlich nehmen sie sich alle nichts - die Menschen und all die anderen Affen.

3) Tom McCarthys "The Station Agent". Ein bisschen zu gut für diese Welt findet Philipp Bühler den Film. Gelegentlich. Aber er mag ihn.

Als Independent-Film zum Gutfühlen kann "The Station Agent" den einen oder anderen düsteren Subtext ganz gut vertragen. In seiner heiter-melancholischen Machart erinnert der Sundance-Gewinner an Jim Jarmuschs Drei-Personen-Stücke mit Landschaft: ins Nichts verlaufende Handlungsstränge, Verzicht auf emotionale Ausreißer, stattdessen minimalistisches Understatement und ruhige Beobachtung.

4) Barbara Schweizerhof gefällt am "Punisher" gerade, dass er nicht subtiler sein will als seine Comic-Vorlage:

Das Schöne an Hensleighs Film ist, dass er bis in die Bildkomposition hinein dem Comic Reverenzen erweist, also gerade da, wo sich das Medium Film sonst der zweidimensionalen Vorlage so überlegen glaubt.

Neues bei artechock

In ihrer Besprechung der Höllentour geht Svenja Alsmann leider kaum auf filmische Aspekte ein. Aber mehr noch verwundert das in der Kritik zu spürende Herantasten an den Gegendstand des Films (die Tour), so dass der Text schließlich sogar endet mit genauen Beobachtungen der "groteske(n) Bräunung" der Radrennfahrer, die "zum Lachen reiz(en)" würde.

Michael Haberlander nähert sich dem Dokumentarfilm Die Mitte an - beschreibend. Im Vergleich mit Absolut Warhola des gleichen Regisseurs ziehe der neue Film aber den Kürzeren.

Ein "Kopffilm" ist Reconstruction für Anja Marquardt, die sich dessen Magie nicht entziehen konnte und ihm analytisch begegnet. Als diesem Film vergleichbar nennt sie die Arbeit David Lynchs.

Svenja Alsmann zeigt sich abschließend von The Station Agent sichtlich berührt.

Seattle International Film Festival

Der reisende Greencine-Festival-Reporter Jonathan Marlow schickt noch eine Depesche vom Seattle International Film Festival, bevor er nach Las Vegas abreist. In Seattle klingt vor allem dies höchst interessant:

It was opening weekend (nearly three weeks ago!) that produced two quintessential for-the-ages SIFF moments. The most important - catching a lone screening of Nachalo (The Debut), a little-known Russian film from 1970 by Gleb Panfilov. Maryna Ajaja, one of the brightest lights of the programming team, introduced the film with a mention that she’d seen The Debut three times before, this being the first opportunity with subtitles. Regardless, no words could accurately describe this wonderful masterwork.

6/9/2004

Junge Welt Kinotag

Wie stets bleibt das Kino in der Jungen Welt unterrepräsentiert. Schade eigentlich, gute Filmschreiber hat's dort doch allemal.

Allein auf weiter Flur diesmal Andreas Hahn mit einer Besprechung von Spider. Der gibt sich unumwunden als Fan zu erkennen: "Cronenberg ist einer der besten Filmemacher der Welt." (Herr Hahn, seien Sie mir für dieses klare wie richtige Wort recht herzlich gegrüßt!) Es folgt eine angenehm offen gehaltene Besprechung, die aufs bleierne Plotnacherzählen (macht im vorliegenden Fall ohnehin wenig Sinn) verzichtet, Diskurse anschneidet, nie aber Bildungshuberei oder Meinungsscheißerei betreibt, dem Leser alles offen lässt und ihn trotzdem nicht uninformiert zurücklässt. Eine schöne Kritik, eher von der Sorte "nach dem Kinogang nochmal nachlesen". (meine Güte, das klingt jetzt alles regelrecht euphorisch, die Besprechung ist nun kein Meisterwerk, aber sehr nett ist es halt schon, nach viel Leidigem in den letzten Tagen mal wieder einfach ein rundum passables, gelungenes Stück Filmjournalismus im besten Sinne zu lesen)

Liebe Junge Welt, bitte Kino und Film mehr Platz gewähren, diesen dann Schreibern wie Andreas Hahn zur Verfügung stellen!

Berliner Zeitung Kinotag

Kinotag bei der Berliner Zeitung. Auch wenn sich Jens Balzer mit seiner Besprechung zu Punisher, dem scheinbar kontroversesten Film der letzten Wochen, nur geringfügig mit Ruhm bekleckert, wurde der Text in den Feuilleton (und nicht in den Kulturkalender) gepackt. Kritik Marke "schnell fein rausreden": Der Film sei entweder langweilig oder doof, auf jeden Fall sei ihm aber mit Empörung zu begegnen, ein wenig Westentaschenpsychologie, dann noch ein wenig Geunke, dass "dies dann doch nicht der beste Film zum neuen Amerika, zu George W. Bush, Guantanamo Bay und Abu Ghoreib" geworden sei, das läge "nicht an seiner Cleverness, sondern ausschließlich an seinem Dilettantismus". Fertig ist die sichere Karte, auf der sich hinter klugen Worten nur wenig Substanzielles versteckt hält. Andererseits ist von Jens Balzer, der schon auf der Berlinale mit beängstigender Regelmäßigkeit Ärgerliches und Borniertes unters Volk brachte, wohl kaum mehr zu erwarten.

An Höllentour, einer Dokumentation über die Tour de France, gefielen Christian Schwager vor allem die "seltenen Innenansichten, Einblicke, die dem Fernsehzuschauer bisher verwehrt blieben". Weniger gut sei, dass der Film das Thema Doping nur verschämt am Rande kurz beleuchte.

Michael Kohler stellt mit Human Nature (unsere Kritik) kurz und knapp die erste Zusammenarbeit von Michel Gondry und everyone's darling Charlie Kaufman vor, die nun, mit dreijähriger Verspätung, kurz nach der zweiten gemeinsamen Arbeit, dem ganz und gar wundervollen Eternal Sunshine of the Spotless Mind (der elende deutsche Titel wird hier übergangen, dafür hier und dort Kritiken), ins Kino kommt. Ob's ihm gefallen hat, lässt sich kaum sagen. Ich vermute mal: Irgendwie schon.

Mission Possible: Diese Kids sind nicht zu fassen dient Anke Westphal zum Anlass, die marginalisierte Lage des klassischen Kinder- und Jugendfilms, der nichts anderes sein will und nicht auf ein Zielgruppen-Altersfranchise setzt, kurz zu skizzieren. Dies wiederum dient ihr zum Sprungbrett, um sich zur Anwältin für den vorliegenden Film aufzuschwingen, der eine Aufmerksamkeitsverdrängung innerhalb der Sparte durch Filme wie Shrek 2, Catwoman oder Spider-Man 2 nicht verdient habe (dass die Filme noch gar nicht angelaufen sind und wohl allenfalls der erstgenannte eine wirkliche Konkurrenz auf dem Markt darstellt, scheint offenbar nicht von Bedeutung). Besonders gut hat ihr der Verzicht auf ein "heulendes Pathos der Krisendarstellung" gefallen, sowie die darstellerischen Leistung "der jungen Hauptdarstellerin Kristen Stewart".

Weiteres: Carmen Böker war fleißig und hat eine gelungene Inhaltsangabe zu The Station Agent verfasst. Anke Westphal erinnert "aus gegebenem Anlass" an die DVD des DDR-Märchenfilms Saxana - Das Mädchen auf dem Besenstiel, in dem bereits im Jahr 1971 ein (diesmal weiblicher) Zauberazubi eine Filmlänge lang bei Laune halten sollte. Diese Erinnerung hat natürlich mit dem Erfolg von Harry Potter zu tun und dass mit dessen Publikumserfolg "ohnehin unanständig wohlhabende Leute nun noch mehr Geld verdienen". Die empfohlene DVD stammt von Universal Familiy Entertainment, einem klitzekleinen Fisch im Raubfischbecken also, der solcherlei Robin-Hood-Unterstützung gut brauchen kann. Cronenbergs Spider wurde bereits gestern besprochen.

Film: Libération

Mehboob Khans großes Bollywood-Epos "Mother India" (unsere Kritik) kommt beinahe fünfzig Jahre nach seiner Entstehung in die französischen Kinos. Ein paar jedenfalls. Libération stellt den Regisseur, den Film, das Phänomen vor:

Considéré comme «le» sommet du cinéma de Bollywood, Mother India est au cinéma indien ce qu'Autant en emporte le vent fut à Hollywood. La comparaison, formulée dès sa sortie, garde sa valeur un demi-siècle plus tard. Avantage, dans nos contrées : la fresque somptueuse de Mehboob Khan, moins usée que son homologue américaine par les reprises sur grands et petits écrans, s'offre aujourd'hui à la plupart des spectateurs comme une découverte.

"Moving Places", der Klassiker des großen amerikanischen Filmkritikers Jonathan Rosenbaum (unser Porträt), ist gerade ins Französische übersetzt worden. Dazu gibt es ein Interview, in dem Rosenbaum von der Zukunft der Cinephilie träumt. Diesem Traum, keine Frage, können wir uns voll und ganz und bis ins Detail anschließen:

C'est un paradoxe, mais si la critique meurt je crois au contraire au renouveau de la cinéphilie. Il existe une jeune génération cinéphile, de 20 à 25 ans, active et avide de savoir, formée par le DVD et l'Internet, qui commence à prendre la parole dans les revues, les journaux, les forums, les blogues. Cette génération est appelée à renouveler l'écriture sur le cinéma, avec d'autres valeurs, d'autres formes d'intervention, d'autres regards sur le cinéma et son histoire. J'ai un rêve : que grâce au Net un journal mondial de la cinéphilie puisse s'écrire. La communauté de ceux qui croient encore dans le cinéma peut se remettre en place par ce cosmopolitisme.

Vorgestellt werden gleich mehrere in Paris laufende Reihen mit Experimental- und Avantgardefilmen (von Peter Tscherkassy bis Philip Garral), besprochen wird - recht freundlich - unter anderem Pascale Bretons Debütfilm "Illumination".

Thomson, Kael, Sontag

Auf nichts mehr, seinen Verstand zuletzt, nimmt David Thomson, einer der renommiertesten Filmkritiker der USA noch Rücksicht. Einen solch sexistischen Stuss, wie er ihn in seiner Kritik zu Craig Seligmans allgemein als etwas seltsames Unterfangen betrachtetem Buch "Sontag & Kael: Opposites Attract Me" zusammenschreibt, findet man selten. Im Atlantic Monthly zumal:

My Delta paperback of Against Interpretation (1966, and already then in its ninth printing!) has a knockout picture of Sontag on the back. It's a photo, by Harry Hess, of a seductive brunette who knows how not to notice the camera so that we have an open corridor straight into her dreamy eyes.

Das geht ein bisschen besser weiter, aber selbstverliebt bleibt es und substanzlos erst recht.

[via Greencine]

Spider: Monochrome Leere

Was es mit dem "Monochrome Leere - Spider von Kultregisseur David Cronenberg ist ein beklemmender Film über einen Menschen, der auf seine verdrängten Erinnerungen stößt" beschriebenen Artikel von Krystian Woznicki für Telepolis auf sich hat, werden wir wohl erst später erfahren. Noch führt der Klick in die monochrome Leere des 404-Errors. Wird aber für später mal gemerkt, der Link.

Edit: Jetzt ist der Artikel da, auch ein Interview wurde mit Cronenberg geführt:

"SPIDER berührt sehr verschiedene Themen. Man könnte ihn als Horrorfilm begreifen, aber auch als Psychothriller, oder als Fallstudie einer Krankheit. Was ist der Film für Sie?"

David Cronenberg: "Ich glaube, ich mache Komödien! (LACHT). Wissen Sie: Ich denke nicht in diesen Kategorien. Wer das tut, muss Rezept und Machart akzeptieren, und das will ich gerade nicht. Glücklicherweise bin ich der letzte, der SPIDER auf einen Begriff bringen muss; das ist mehr eine Aufgabe für Filmkritiker. Natürlich steckt etwas von allen drei genannten Möglichkeiten in ihm. Aber nach heutigem Verständnis würden ihn wohl viele Zuschauer nicht als Horrorfilm einstufen, dafür ist einfach zu wenig Horror in ihm. Unter "Horrorthriller" verstehen Zuschauer heute etwas anderes, Blutigeres. Oder ironische Genre-Variationen wie SCREAM. Den Verleihern wäre es natürlich sehr lieb, wenn sie ihn so vermarkten könnten.

Tatsächlich hatte ich aber zunächst vor, mehr Horrorelemente einzubauen: Etwa eine Szene, in denen die Kartoffeln, welche die Mutter schält, sich mit Blut vermischen. Das habe ich dann aber wieder verworfen, weil es mir unangemessen schien. Es hätte nicht zum Charakter der Figur gepasst. Auch wollte ich den Film offener lassen. SPIDER ist natürlich ein psychologischer Thriller. Aber dafür hat er zu wenig Thrill, zu wenig Spannung. Andererseits gibt es einen Mord, es gibt ein Mysterium, die Suche nach dem Mörder. Man könnte also sagen: Es ist ein Murder-Mystery-Film. Aber da Sie den Film kennen, werden Sie wahrscheinlich mit mir übereinstimmen, dass auch das eher in die Irre führt."

Neues bei satt.org

Im Kino Arsenal findet eine Michael-Snow-Retrospektive statt. Thomas Vorwerk stellt einige Filme kurz vor.

Des weiteren bespricht er den bereits letzte Woche angelaufenen dänischen Film Alt, neu, geliehen und blau, den er recht enthusiastisch für den "wahrscheinlich erfrischendsten Beitrag zum skurrilen Subgenre der Hochzeitskomödie innerhalb der letzten zehn Jahre - weltweit!" hält. The Road to Memphis wird eher distanziert, aber keineswegs abweisend besprochen: "Richard Pearce liefert einen soliden Dokumentarfilm, der an manchen Stellen fasziniert, aber der vielleicht auch etwas zu bodenständig und konservativ daherkommt, und der sich ein wenig in dem vielen Material, das er präsentieren will verliert.", so sein Fazit.

Kathi Hetzinger war von dem neuen Potter-Film weitgehend angetan, den sie kurz, aber prägnant und nachvollziehbar skizziert und verortet.

filmkritiken.org: The Punisher

Interessanter Weise nur via die filmzentrale zu lesen: B. Happel von filmkritiken.org - und angeblich auch daselbst zuerst publiziert - über The Punisher, der ihn moralisch recht entrüstet hat, weswegen er sich auch vornehmlich an dessen Rachekomplex stört, dem er bei Kill Bill 2 aufgrund dessen cineastischer Artistik indes noch einiges abgewinnen konnte. Damit geht er mit der FSK konform, die dem Film erst nach Schnittauflagen eine Kinoauswertung gestattete. Inwiefern das Sinn macht, einem Film, der sein Pulp-Programm schon im Titel skizziert, auf dieser Ebene aufklärerisch zu begegnen, als ob man seinem Leser also wesentlich Neues erzähle, sei mal dahingestellt (frank und frei: ich sehe einen solchen, bei allem Respekt, nicht).

Diplomarbeit zu Frieda Grafe

Wenke Wegner hat eine Diplomarbeit (pdf) über Frieda Grafe geschrieben, genauer gesagt: "Körpersinn und Filmkritik Zur Produktion eines neuen Wissens in den Texten von Frieda Grafe (1961-2002)". Betreut wurde die an der Bauhaus-Uni in Weimar entstandene Arbeit von Joseph Vogl (der von Film nicht so viel Ahnung hat und deswegen wohl eher global zuständig war), von Claude Jamet (Lyon) und von Ute Holl, deren "Kino, Trance und Kybernetik" (2002 bei Brinkmann und Bose) eines der klügsten, schönsten, am besten geschriebenen Filmbücher ist, die es in deutscher Sprache in den letzten Jahren gab. Hier die etwas scholastischen Thesen der, nach dem ersten Eindruck, dann doch ein wenig freihändiger verfahrenden Arbeit:

Um eine erste Annäherung an die Filmkritik von Frieda Grafe vorzunehmen, schlage ich folgende Hypothesen vor, auf die ich mich im Laufe der Arbeit immer wieder beziehen werde:

- An Grafes Texten, ihrer Schreibweise und ihren Inhalten, lässt sich die Beeinflussung französischer Texte insbesondere von Barthes, aber auch von Kristeva und von ersten Denkerinnen feministischer Theorie ablesen.
- Grafes Begriff der Kritik lehnt sich an Barthes‘ Nouvelle Critique an.
- Grafe verfolgt die filmische Artikulation mit einem deutlichen Bewusst-sein für Medialität, für die medialen Eigenschaften des Films.
- Grafe findet im Film ein Medium, mit dem sich das spannungsreiche Verhältnis von Sinnlichkeit und Logos neu beschreiben lässt.
- Der Film wird von Grafe u. a. durch seine vielfältige Einbeziehung und Thematisierung des Körpers als Teil einer 'weiblichen' Wissenschaft betrachtet.


[via tristesse deluxe]

Berliner Zeitung: Spider

Harald Jähner bespricht David Cronenbergs mit Ach und Krach doch noch in die hiesigen Kinos gekommenen Spider (unsere Kritik) und hält sich dabei vor allem mit dem Gimmick auf, dass Ralph Fiennes in seiner Verkörperung der Titelrolle in personam durch seine eigene Erinnerungswelten stapft. Dass ähnliches bei Dickens bereits angedeutet wurde, dass beispielsweise Enzo G. Castellari das in dem wunderbaren Spät-Italowestern Keoma bereits ganz genauso inszeniert hat, erwähnt er leider mit keiner Silbe. Das ist dann wohl das Pech des B-Movies. Dass das "geradezu trivial freudianisch(e)" Element des Films bewusste Adaption (und somit eigentlich nur Bloßstellung Freud'scher Allgemeinplätze als eben genau das, als eine Erzählung, ist) sein könnte, fällt ihm leider auch nicht auf.

Village Voice Movie Update

Viel ist seit dem letzten Update in der Village Voice geschehen, habe mir ja auch reichlich Zeit gelassen ...

Hoberman hat sich mit Anime-Meister Mamoru Oshii (bzw. mit dessen Translator) unterhalten. Reichlich knapp, eher so ein Cannes-Nachschub, war wohl noch Platz im Heft. Ähnlich verhält es sich mit diesem kurzen Abriss über das lateinamerikanische Kino in Cannes, der unseren Blick immerhin auf den reichlich untergegangenen La Niña Santa lenkt: "the best-directed feature in the competition and, along with Thai filmmaker Apichatpong Weerasethakul's blatantly avant-garde Tropical Malady, the one most interested in developing a new film language." Dann noch ein kurzer Abriss über asiatische Filme auf dem Festival, der sich ohnehin nur auf die prominentesten Vertreter konzentriert und somit nicht viel Neues mit sich bringt.

Interessanteres von Hoberman: Eine Besprechung von Blissfully Yours (unsere Kritik): "His ultra-durational strategy deploys long takes, blunt editing, and awkwardly apparent non-actors, in the service of minimal narrative situations that seem neither staged nor "found." Bad filmmaking or an artfully artless breakthrough into something else?" Keine Frage! Außerdem eine Besprechung von Imelda, einer Dokumentation über die Sängerin Imelda Marcos (nebenbei erstwhile first lady and de facto co-dictator of the Philippines).

Mark Holcomb freut sich über DVDs von Filmen des japanischen Regisseurs Shunya Tsukamoto. Wir freuen uns mit, der Text hingegen ist wenig spannend. Viel interessanter ist da schon die Vorstellung diverser Bootleg-DVD-Anbieter, die sich auf den "veritable Wild West of unlicensed giallos, '70s gore, Asian freaks, and forgotten art-house oddities" konzentrieren. Filme also, die in den Kalkulationen der großen Programmanbieter kaum einen Platz finden.

Laura Sinagra stellt einige Filme des Human Rights Watch International Film Festival (Website), das von 10. bis 20. Juni im Walter Reade Theater stattfindet und sich mit "detention and torture", davon ausgehend aber vor allem mit "the agility and intimacy of DIY-friendly technology" beschäftigt.

Dennis Lim bespricht Word Wars, eine Dokumentation über Scrabble-Nerds, die ihn zuweilen an Cinemania, eine Dokumentation über fünf Kino-Junkies in New York, erinnert.

Ed Halter stellt aus Anlass einer Filmreihe in den Anthology Filmarchives die Filmemacherin und Choreografin Yvonne Rainer vor. Kaum ergiebig, deswegen hier noch eine ausführliche Schau über Leben und Werk bei Senses of Cinema.

Michaelt Atkinson bespricht Napoleon Dynamite, ein Indiefilm, der ihn doch ziemlich begeister hat: "Hess has the low-budget-comedy wastrel deadpan—the one Jarmusch stole from Warhol, and Wes Anderson has made semi-mainstream—down to a science, and his dry pause-and-cut idiosyncrasies are Swiss-timed. But more than anything, the film is an epic, magisterially observed pastiche on all-American geekhood, flooring the competition with a petulant shove." Der Film ist notiert.

Weiteres: Dennis Lim über The Day After Tomorrow (schön spitz), Hoberman über The Hunting of the President, Akiva Gottlieb über Frankie and Johnny are married, Charles McNulty über Broadway: The Golden Age.

Shanghai International Film Festival

"The Seventh Shanghai International Film Festival kicked off on Saturday night with confusion and disappointment." weiter

"Sixteen films, nine from Europe and seven from Asia, are expected to impress the judges for the Jin Jue Award. Another 10 new films from Asia will vie for the title of Asian New Talent Award during the festival." weiter

"``Hands in the Hair,'' which will wrap soon, combs out the rise and fall of the life of a Shanghai woman through a pair of handsome hairdressers' hands. The film is adapted from local writer Tang Ying's popular novel ``Hong Yan'' (``Red Face''), well-known for ``putting Shanghai women and Shanghainese life under a microscope.'' Last year, the same director, Jiang Cheng, put this novel on stage." weiter

"Peng Xiaolian's semi-autobiographical movie, the only locally directed film at the Shanghai International Film Festival, uses the family house to tell of the lives of a wealthy Shanghai family through the turbulent mid-1960s to modern times, writes Michelle Qiao

The Shanghai International Film Festival, which begins today, features only one Shanghai film director -- but what a director. Peng Xiaolian's touching film ``Shanghai Story,'' which will be screened during the festival, comes from the true-life experience of this legendary author/director."
weiter

Living in Dreams

In Brooklyn fand im Mai eine Wong-Kar-Wei-Retrospektive statt. Popmatters war dabei und stellt Wongs Werk kursorisch vor.

Interview mit John Woo

Ebenfall bei Star Online: Ein Interview mit John Woo. Der Discovery Channel hat eine Dokumentation über den Wegbereiter des Heroic Bloodshed gedreht.

Woo bestätigt im Gespräch einmal mehr seine Ambition, ein großes chinesisches Historienepos zu drehen:

“I want to make a movie in China because it’s such a beautiful country, and there’re so many great stories to tell. I’ve always wanted to do The Romance of the Three Kingdoms, about the famous civil war some 3,000 years ago. At that time China was separated into three parts and they were all against each other. So I just wanted to make a historical epic in China. It would look pretty much like the Japanese director Akira Kurosawa’s type of movies.”

Interview mit Johnnie To

Das malaysianische Magazin Star Online hat sich mit Johnnie To über dessen neuen Film Breaking News unterhalten, der im Wettbewerb von Cannes zu sehen war. Wie stets zeigt sich To ambitioniert, neue Wege in der Auflösung konventioneller Genre-Stoffe zu beschreiten:

“Breaking News is a police action film with a new spin. Hong Kong has had a long tradition of great action cinema, and my goal was to do something different. This is why I emphasised the issue of media manipulation. I believe this is something the police is much involved in these days, unlike in the past when they were only concerned with nailing the bad guys,” stated To.

Interessant wird wohl eine 7minütige Sequenz ausfallen, die einige Probleme mit sich brachte:

The movie has the Hong Kong film industry people all agog with its breakthrough filming style that involves a seven-minute-long take on one particular scene, that of a police operation. The ambitious To felt that this approach would set the tone of the movie and vividly capture on screen the realism of a police operation. However, finding the right man to do the job proved harder than he thought.

Eine hiesige Kinoauswertung bleibt zu erhoffen.

Film in Rumänien

In der "Post aus der Walachei" beim Perlentaucher berichtet Hilke Gerdes über noch recht zarte Blüten des Filmschaffens in Rumänien:

Die seit 2001 entstandenen Filme veranlassten einige Kritiker von einer "Nouvelle Vague" des rumänischen Film zu sprechen. Puius Antwort darauf ist so eindeutig wie seine Filmsprache: "There is no Nouvelle Vague, there a just a few desperate filmdirectors". So wie er denken einige der jüngeren Generation. Es gibt noch keine konstante Entwicklung und die einzelnen Filme lassen sich nicht unter ein Label subsumieren.

Die internationalen Erfolge zeigen jedoch, wie groß das Potenzial junger Filmemacher ist, vor allem, wenn man bedenkt, wie bescheiden die Förderstrukturen hier im Vergleich zu vielen anderen Ländern sind (siehe die letzte Post aus der Walachei). Die internationalen Erfolge bedeuten jedoch nicht, dass die Regisseure es danach leichter haben im eigenen Land.

SZ: Film

Fritz Göttler interviewt David Cronenberg, dessen neuester Film "Spider" (unsere Kritik) nun reichlich verspätet auch bei hierzulande anläuft:

Hm, Sie finden den Film also depressiv . . . Nun, ich hatte durchaus Vergnügen, als ich ihn drehte, ein schöpferisches Vergnügen. Ich will nicht sagen, dass ich in diesem Haus, wo Spider logiert, längere Zeit leben möchte - aber all die Details der Ausstattung dort sind doch sehr schön, die Tapeten, die Kleider. Ich habe mich mit meinen Mitarbeitern intensiv um sie gekümmert.

Rainer Gansera bespricht dann den Film (hymnisch):

Mit einer beinahe beängstigenden Präzision macht Ralph Fiennes die abgrundtiefe Verlorenheit Spiders bis in jede Körperfaser spürbar und vermeidet all das Pittoreske, mit dem das Kino üblicherweise Irresein garniert. Cronenberg-Fans werden bei dem Titel ¸¸Spider" ein Horrorstück mit bekannten Ingredienzen wie Monster-Insekten, Biopods und mutierenden Körpern erwarten. Solche Genre-Versatzstücke lässt der kanadische Regisseur beiseite. Er durchquert in seinem subtilsten, strengsten und wagemutigsten Film den inneren Horror eines Mannes, der sich die Schizophrenie als fatalen Selbstschutz erfunden hat.

Außerdem assoziiert Fritz Göttler noch frei zu den Themen Potter, Ring und Lars von Trier. Tobias Kniebe bespricht "The Station Agent" (filmz) und Martina Knoben den (auch schon im Fernsehen gelaufenen) Film "Damen und Herren über 65", der eine Pina-Bausch-Inszenierung dokumentiert.

6/8/2004

blockbuster or bust

Das stimmt, aus dem Mehrzweckbeutel, von Torsten Dewi, der das mit den Links auch noch lernen wird. Boxofficemojo ist im übrigen ein guter Tipp:

Wenn man die Charts in den USA mal weiter runter geht, dann stösst man auf einen interessanten Nebeneffekt: Immer weniger Aufwand ist nötig, um in die Top 20 einzuziehen, weil es kaum noch Filme gibt, die mit "solidem" Aufwand gestartet werden. Blockbuster or bust - der Rest ist marginal.

Brasilianischer Underground

Bei Bitter Cinema lesenswerte Informationen (mit Links natürlich) zur schmutzigeren Seite des brasilianischen Kinos:

Boca do Lixo - it means "Mouth of Garbage" in Portuguese, and it's one of the sleazier and most crime-ridden parts of Sao Paulo (the name is a play on a much swankier and wealthier part of town, Boca do Luxo, "Mouth of Luxury"). It's also the neighborhood where some of Brazil's sleazier cinematic offerings were shot. Consider these films to be the moist and grimier flipside to Brazil's Cinema Novo, a homegrown movement that borrowed from neo-realism and ethnographic films to address the country's political and social ills.

Die Geschichte des Joe Eszterhas (2)

[siehe Teil 1]

Natürlich hat auch die anglo-amerikanische Presse zum Erscheinen der Autobiographie von Eszterhas ausgiebig berichtet. Hier nur drei Beispiele:

Anthony Lane vergleicht am Beginn seiner Rezension ("New Yorker") Eszterhas' Prosa mit der von...Henry James. Was zwar ganz komisch, aber von der Intention doch vielleicht zu billig ist, schließlich würde es wohl niemand in den Sinn kommen, ausgerechnet in James, diesem Meister des subtil-verwinkelten Stils, einen Vorläufer von Eszterhas zu sehen.
Bei der Auseinandersetzung Eszterhas-Ovitz sieht Lane den Ersteren weniger im moralischen Recht als dies die SZ tut:

To be exact, we get a chapter entitled “I Coldcock Ovitz,” and it is certainly the best reason to buy the book. In 1989, Eszterhas was being represented by C.A.A., Creative Artists Agency, which was run by Ovitz.

Anyway, one day Joe tells his friend Mike that he will no longer be requiring his services as an agent, not because he, Joe, is dissatisfied with what he, Mike, has done for him, but only because he, Joe, has another friend, Guy, who goes back farther than Mike, and who is going to I.C.M., and this guy, Guy, would like him, Joe, to leave Mike and come to play. Simple enough. Boys of seven do this every day and think nothing of it. Michael Ovitz, however, thought about it hard and said to Eszterhas, “You’re not going anywhere. You’re not leaving this agency. If you do, my foot soldiers who go up and down Wilshire Boulevard each day will blow your brains out.” The war that ensued was attritional, instructive, and, best of all, shamelessly public, since Eszterhas, bless him, sees no reason that a sentiment which you and I might voice haltingly over the phone should not be copied, dispatched around town, and dropped into the hands of the L.A. Times. Eszterhas’s letter to Ovitz, in response to what he still conceives of as blackmail, was a thunderous act of insurrection, colored with a nod to “The Elephant Man” (“I am not an asset; I am a human being!”), and rounded off with itches of early hip-hop: “So do whatever you want to do, Mike, and fuck you.” Or, as Eszterhas senior used to say, “Fucky you.”

Die NYTimes (Screenplay by Schadenfreude) ist von der Art angetan, wie Eszterhas seine Jugend und die Beziehung zu seinem Vater schildert, findet jedoch ansonsten vor allem die Klatschseligkeit des Buches furchtbar, das sie mit seinen über 700 Seiten "humongously bloated" (monströs aufgebläht) nennt.

John Banville schließlich packt im Guardian (King of the jungle) seine klassische Bildung aus und vergleicht Eszterhas mit Hephästhos, dem "volcanic wonder-worker of Olympus".

Ja, und ganz amüsant ist der Versuch von Charles Taylor im Salon Magazine, "Showgirls", dieses kommerziell fehlgeschlagene Film-Experiment in Hyper-Populismus zu rehabilitieren. Titel: Alive And Kicking (Daypass nötig)
Bei dem, was Taylor so schreibt, bin ich immer etwas skeptisch. (Wer sich schon durch die Salon-Werbung geklickt hat, kann seine Rezensionen von Godards In Praise of Love und Gus Van Sants Elephant lesen.) Sein "Showgirls"-Essay kann mein Vertrauen in seine Urteilskraft auch nicht ganz wiederherstellen.

That's why the complaints about the movie's vulgarity and tastelessness missed the point. How could a movie about Vegas be otherwise?

...ist z.B. der klassische Fall eines Trugschlusses.

Und folgenden Satz will ich, bei allem Respekt, nur kurios nennen:

It isn't hard to sense a class disdain in the sneering directed at "Showgirls."

Film, spirituell

Bei arts & faith, einem Forum für Kunst und Religion (oder religiöse Kunst), gibt es eine Liste der Top 100 Spirtually Significant Films. Überraschend oder nicht: die ist ziemlich gut.

[Via Long Pauses]

Jerry Schatzberg

Filmbrain informiert über den ziemlich vergessenen New-Hollywood-Regisseur Jerry Schatzberg. Sehr lesenswert.

New York director Jerry Schatzberg was recently in the limelight again as a member of the 2004 Cannes Film Festival jury. An unlikely but interesting choice, Filmbrain feels he is an under-appreciated director whose output (only thirteen features in thirty years) consists of many very-good films, and perhaps a few near-great ones. The Seduction of Joe Tynan (1979) is an excellent example of the kind of dramas that were rarely made after the 70's.

Mani Ratnam

Mani Ratnam, der wohl wichtigste lebende indische (Mainstream-)Regisseur (unser Lexikon-Eintrag), stellt dieses Jahr gleich zwei neue Filme vor: "Yuva" (IMDB) und "Ayitha Ezhuthu" (IMDB). Bei Living on the Planet gibt es ein Interview/Porträt:

“Yuva” and “Aayitha Ezhuthu,” which premiered in late May at the IIFA awards in Singapore, are the movie events of 2004, paradigms of the gritty, hard-edged, urban cinema that Mani has made his own. Featuring a handpicked star-cast, they were rumoured to be inspired by Brazilian filmmaker Alejandro Inarritu’s “Amores Perros” – a rumour at which Mani laughs heartily, remarks “It’s so easy to classify a film, isn’t it?” and mischievously refuses to elaborate.

6/7/2004

Rosenhügel, Wiener Stalinismus

Olaf Möller, das Ein-Mann-Spürkommando für den außergewöhnlich bizarren Film, hat wieder eine schöne Entdeckung gemacht. Die sozialistische Wiener Revue-Produktion des Rosenhügel-Studios, das unter sowjetischer Aufsicht stand. Heute in der taz:

Eine veritable Perle schuf man jedoch auch in dieser Periode, und es ist natürlich die production maudite des Studios, denn unter solchen Umständen findet sich die Wahrheit allein im Exzess: "Seesterne" (1952) von Johannes Alexander Hübler-Kahla sprengte lässig alle Produktionsvorgaben, das Budget und den Drehplan. So entstand ein Revuefilm, dessen Geschichte propagandistisch zugespitzt ist: Ein Arbeitersynchronschwimmclub zeigt dem fiesen Firmenchef, was die Solidarität des Proletariats auf die Beine stellen kann. Ästhetisch erging sich "Seesterne" in einem pastellfarbenen Pop-Pastiche. Hübler-Kahlas Film war ein Fiasko bei Presse und Publikum; erst heute lässt er sich im kontemporären Popdiskurs wirklich würdigen.

10th Jewish Film Festival im Arsenal

Seit gestern läuft im Kino Arsenal das Jewish Film Festival auf vollen Touren (Programmtext).

Der Tagesspiegel stellt einige Filme kurz vor, die Berliner Morgenpost macht's ähnlich.

Gigli: twin sister of the vagina

Nein, hab ihn nicht gesehen. Der Privatsender in den USA, der ihn gerade zeigt, wirbt mit den sagenhaft schlechten Kritiken, die der Film bekommen hat. Hier ein Auszug, den wir out of focus verdanken. Ricki (J.Lo.) erklärt Gigli (Ben Affleck), was an Frauen so toll ist:

Ricki: They're form. Neck. Shoulders. Legs. Hips. I think pretty cool. Now as far as your famous penis goes, the penis is like some sort of bizarre sea slug, or like a really long toe. I mean, it's handy. Important even. But the pinnacle of sexual design? The top of the list of erotic destinations? I don't think so. One's first impulse is to kiss. What? To kiss the lips. Firm, delicious, lips. Sweet lips. Surrounding a warm moist dizzingly scented mouth. That's what everyone wants to kiss. Not a toe. Not a sea slug. A mouth. And why do you think that is, Stupid? Because the mouth is the twin sister, the almost exact look-alike of the what? Not the toe. The mouth is the twin sister of the vagina. And all creatures big and small seek the orifice, the opening to … to be taken in. Engulfed. To be squeezed and lovingly crushed by what is truly the all-powerful, all-encompassing.… No, if it is design you’re concerned with, hidden meanings, symbolism, power.… No, forget the top of Mt. Everest. Forget the bottom of the sea. The moon. Stars.… There is no place, no where that has been the object of more ambitions, more battles than the sweet sacred mystery between a woman's legs that I am proud to call -- my pussy. So I guess this is just my roundabout way of saying that it is women who are, in fact, the most desirable form. Wouldn't you agree?

Koreanisches Kino

Doug Cummings von filmjourney freut sich über die Blüte des koreanischen Kinos. Und er hat den Vergleich: den Sommer 1995 verbrachte er in Südkorea und abgesehen von Hollywood-Filmen war weit und breit nichts in Sicht. Genauer beschreibt er in seinem Blog-Eintrag Jeong Jae-euns sehr schönen Film "Take Care of My Cat" (hier unsere Kritik):

It's a breezy portrait of five young women who recently graduated from high school and now face various individual challenges while hoping to maintain their group bond. "There have been no movies in the past that have depicted well how young Korean women think, how they play and what they worry about," Jeong said when the movie was released. "I hope that this film can give audiences a sense of what young Korean women are like and how beautiful they are."

Gladiator, Versionen

Der Artikel über verschiedene Antiken-Versionen im Hollywood-Format im Times Literary Supplement ist in jenem herablassend-neckischen Ton geschrieben, den etwa auch der SPIEGEL als deutscher Meister der Dummfrechheit kultiviert, aber ein paar interessante Fakten gibt es doch. So etwa über die zwei Versionen von "Gladiator", die verfilmte und die nicht verfilmte. Und jetzt raten Sie mal, welche dem Autor mit Abstand besser gefallen hat:

Reading the extant drafts side-by-side is a dispiriting education in the Hollywood process. Franzoni’s script is characteristically wordy and often ponderous, but has a satirical edge and a surreal, Felliniesque heightening of historical strangeness entirely lacking from the later versions. In one astonishing early sequence, the hero and his fellow slaves are unloaded from their shuttered wagon in what they chillingly believe to be an execution spot in a Central European forest, only to become aware of unearthly lights and sounds between the trees: they emerge to find themselves in the Colosseum in Rome, planted with trees to resemble a forest, and "looking back at them are fifty thousand fans – and as one, like some surreal canned sound track, they all laugh". By contrast, Logan’s version is a miserable, pedestrian parade of Hollywood clichés, with a risible ending in which the hero literally rides off into the sunset with his surrogate son, the (historically solecistic) younger Verus.

[via Perlentaucher Magazin-Rundschau]

Spiderman 2

Moriarty bei Aint-it-Cool hat Spiderman 2 gesehen und schreibt die erste Kritik weltweit. Sagt er jedenfalls. Und er ist ja sowas von begeistert:

Well, let me begin by stating for the record, this is exponentially better than the first SPIDER-MAN, and it does for this franchise what X2 did for the X-MEN series, turning up everything that fans liked about the first film and introducing a whole hell of a lot of new things to enjoy.

filmtext

Die neue "Ausgabe" von filmtext ist da. Besprochen werden im Juni:

"Zaitochi" von Takeshi Kitano:

"Zatoichi" ist ein Bastard und es muss einen freuen, wie unbekümmert Kitano im neuen Film die Genres kreuzt, obwohl lange Tradition auf dem Sujet lastet. (...) Derart selbstvergnüglich, dass am blinden Helden sich mitnichten die angestrengte Feuilletondebatte um falsche Bilder, verfälschtes Sehen entzünden kann. Derart vital, dass man am Ende, als alle Figuren im gemeinsamen Stepptanz die Bühne erobern, die ihr Leben ist, keinen Gedanken an die Gemachtheit des Entertainments vergeudet. Das Multikulti-Gestompe treibt einen förmlich aus dem Kino. Nicht, weil man genug hat. Sondern weil man weiter will, zu neuen Taten.


"Spider" von David Cronenberg:

Soll die Erkenntnis auf der Seite des Patienten doch eigentlich zur "Heilung" gereichen, ist sie hier nur Vehikel des kalkulierten Effekts, der "Heilung" des Films. Offenheit muss zugunsten der Überraschung eliminiert werden. Der Film rückt so in die Nähe von beispielsweise „The Usual Suspects“, indem er seine Erzählinstanz nachträglich als unzuverlässig markiert, im Gegensatz zu dem Neo Noir-Thriller aber damit sein Sujet preisgibt.

Und: "Letzes Jahr in Czernowitz" von Volker Koepp und "Power and Terror", der Noam-Chomsky-Film.