7/3/2004

Thomas Groh: Spider-Man 2 bei Telepolis

Filmfilter-Mitarbeiter Thomas Groh hat "Spider-Man 2" gesehen und schreibt darüber bei Telepolis:

Nachdem Peter Parker alias Spider-Man die Hornbrille endgültig gegen den Superheldencape eingetauscht hat, schickt Regisseur Sam Raimi den sympathischen Helden im Sequel in die wilde, flexibilisierte Arbeitswelt. Und die ist selbst für einen Superhelden beinahe nicht zu bezwingen. Aber eben nur beinahe.

7/2/2004

Marlon Brando (1924-2004)

[Siehe auch JumpCut Newsblog]

Gönnen wir uns nach der traurigen Nachricht vom Tod Brandos eine amüsante Stelle aus dem rund 5000 Wörter langen NYT Nachruf:

In a 1997 New York Times article on the 50th anniversary of the Actors Studio, Ann Douglas described an early acting exercise: "During one class, Stella Adler, Mr. Brando's teacher, told her students to pretend to be chickens on which an atomic bomb was about to fall. The rest of the students ran around clucking loudly and looking frantically at the sky, but Mr. Brando just sat there calmly — he was a hen, busy laying her eggs. What would a hen know or care about a bomb?"

Der im Nachruf erwähnte Essay von Pauline Kael: Marlon Brando: An American Hero

Und vielleicht wird der "New Yorker" Truman Capotes Portrait von Brando aus dem Jahre 1957 in den nächsten Tagen zugänglich machen. Nochmals die NYT:

It was while filming "Sayonara" (1957) that Mr. Brando agreed to an interview with Truman Capote for The New Yorker. The resulting article, "The Duke in His Own Domain," was a patronizing portrait of a somewhat dim prima donna. "People around me never say anything," Mr. Brando said. "They just seem to want to hear what I have to say. That's why I do all the talking." Mr. Capote expressed astonishment that Mr. Brando objected to the piece.

("The Duke in His Own Domain" ist in dem Sammelband "Life Stories: Profiles from the New Yorker" enthalten.)

Update: Der Text ist auszugsweise in der SZ vom 3.7. nachzulesen.

Libération, Le Monde: Shaw Brothers in Paris, Festival von Marseille

Jetzt erobern die Shaw-Brothers (Porträt bei Jump Cut) auch Paris. Libération berichtet:

Le moment fort de cette rétrospective sera la venue de Cheng Pei-pei, «la Dame d'épée» révélée il y a trente-huit ans par la magnifique Hirondelle d'or, de King Hu, et revenue sous les feux des projecteurs grâce à Tigre et dragon, d'Ang Lee. Mademoiselle Cheng présentera notamment l'Ombre du fouet, de Lo Wei, un très étrange film de chevalerie tourné, fait rare, dans des paysages enneigés, où l'actrice-danseuse-combattante troque son sabre fétiche pour un fouet tout aussi redoutable.

(Man staunt ja übrigens immer mal wieder. Nicht nur hatte Run Run Shaw seine Finger zum Beispiel in der Produktion des "Blade Runner" - auch im Vorspann zu Kenji Mizoguchis "Prinzessin Kwei Fei" (der von einem "typischen" Shaw-Film so weit tatsächlich nicht entfernt ist) habe ich seinen Name gerade gelesen.)

In Le Monde: Ein Bericht über des Dokumentarfilm-Festival von Marseille, das in diesem Jahr mit den Zeitschriften Vertigo und Cahiers du Cinema (letztere gehören im übrigen dem Verlag von Le Monde) zusammenarbeitet - und ein aufregendes Programm zusammengestellt hat; es ist z.B. auch der neue Film von Agnes Varda zu sehen:

Le Festival international du documentaire de Marseille (FID) ouvre le 2 juillet. Cette manifestation, qui a présenté pour la première fois en France des œuvres comme Numéro zéro, de Jean Eustache, Miguel et les mines, d'Olivier Zabat, ou encore A l'ouest des rails, le documentaire de neuf heures du chinois Wang Bing (actuellement en salles à Paris), propose l'une des programmations les plus stimulantes du moment.

7/1/2004

F.LM berichtet vom Filmfestival München

Beinahe schon zu spät, die Meldung: Matthias Huber und filmfilter-Kollege Karsten Hertrich berichten für F.LM - Texte zum Film vom Filmfest München.

Bislang besprochen:

Notre Musqiue (Jean-Luc Godard)
Der neunte Tag (Schlöndorff)
The Motorcycle Diaries (Walter Salles)
Shattered Glass (Billy Ray)
Control Room (Jehane Noujaim)
I Love Your Work (Adam Goldberg)
Coffee and Cigarettes (Jim Jarmusch)

Midnight Eye

Zwei Hauptstücke hat die neue Ausgabe des Online-Japan-Journals Midnight Eye. Zum einen stellt der Wiener Japan-Film-Experte Roland Domenig die Art Theatre Guild vor, die die Nouvelle Vague Japans ermöglichte und der im letzten Jahr auch mehrere deutsche Retrospektiven gewidmet waren:

The importance of the Art Theatre Guild (ATG) within Japanese cinema is equalled only by its obscurity in the West. During three decades, it produced, distributed, and exhibited the works of pivotal filmmakers like Nagisa Oshima, Susumu Hani, Kazuo Kuroki, Shohei Imamura, Yoshishige (Kiju) Yoshida, Shuji Terayama, and numerous others whose combined efforts have gone into history as the most daring, challenging, exciting, and innovative movement in the nation's cinema: the Japanese New Wave.

Zum anderen gibt es ein Interview mit dem Regisseur Hirokazu Kore-eda (Maborosi, After Life; Jump Cut Lexikon), der dieses Jahr im Wettbewerb von Cannes mit seinem neuesten Film "Nobody Knows" zu sehen war. Verblüffenderweise kündigt er an, als nächstes einen Historien-Film drehen zu wollen:

So my next film will be a jidai geki for Shochiku studios, based on a rakugo story with revenge as its main theme. I wanted to make a jidai geki like the type that Sadao Nakajima used to make, one that isn't so macho and where it's not about people dying all the time. I want to show how difficult it is to kill a person. The story revolves around a weak guy who goes out to avenge the death of his father, but he does it very unwillingly because he would prefer to live longer.


Ambivalenter als sie vielleicht gemeint ist, klingt die Kritik von Don Brown zum Animationsfilm "Casshern", dem Regiedebüt von Kazuaki Kiriya. Grafisch eindrucksvoll, lässt sich resümieren, aber mit Botschaften überfrachtet. Und vielleicht Teil eines neuen Genres:

Considering the recent success of similarly pessimistic glimpses of the future such as Battle Royale and Dragonhead, perhaps we are witnessing the birth of a new, uniquely Japanese mutation: the unapologetically nihilistic commercial blockbuster.

Jasper Sharp bricht eine Lanze für den charmanten "Yoshino's Barber Shop" von Naoko Ogigami:

A great piece of independent filmmaking that actually has something to say, Yoshino's Barber Shop is the kind of low-key offering that, unfortunately, far too seldom makes it past the film festival circuit, with foreign distributors almost dogmatic in their insistence that the only thing audiences possibly look for in Japanese film is sadistic violence and perverted sex.

6/30/2004

Terminal, Kennan

Steven Spielbergs "The Terminal" hat eigentlich durchweg enttäuschte Reaktionen hervorgerufen. Hier mal eine glaubwürdige Gegenstimme. Von Vince Keenan, der in seinem Blog über Hardboiled-Literatur, Filme, Fernsehen schreibt:

It becomes obvious early on that Spielberg’s model for the film is the work of Charlie Chaplin, specifically MODERN TIMES. He’s making a gentle satire about a little man befuddled by the system, and his odd, small-scaled triumph against it. That might explain the movie’s lukewarm reception; perhaps that comic model doesn’t have much currency with critics and audiences any more.

6/29/2004

Indian Animation

Ganz vergessen bei all dem Bolly-Fieber: Was macht eigentlich der indische Zeichentrickfilm? Wie's scheint nicht viel, bzw. war er bislang auf Kurzfilme vor den eigentlichen Filmvorführungen limitiert. Outlook India berichtet davon, dass sich das gerade ändert. Wir sind gespannt.

Einführung in den "Giallo"

Via Greencince und dort via Bitter Cinema wird man auf diese Einführung in eines der spannendsten Kapitel italienischer Exploitation-Filmgeschichte aufmerksam gemacht: Der Giallo (zu deutsch: "Gelb"), eine spezifische Spielart des Thrillers und Krimis, selten plausibel, dafür hochobsessiv und optisch meist aufregend inszeniert. Hierzulande leider bis heute weitgehend nur einer eingeschworenen Fangemeinde bekannt. Dem sollte dieser schöne Texte Abhilfe schaffen, ausgewähltes Bildmaterial vermittelt einen Eindruck von dem ästhetischen Reiz dieser Gattung.

Moskau-Bericht

Hanns-Georg Rodeck von der Welt berichtet vom Filmfestival Moskau, auch über den alles dominierenden russischen Siegerfilm "Soi" (Wir):

Was im großen Russland dagegen heute möglich ist, zeigte "Wir" von Dimitri Meschkijew, der auch den Hauptpreis erhielt, den "Goldenen St. Georg". Wir, das ist die überfallene Sowjetunion, aber Meschkijew zerpflückt die mythische Einheitsfront in Rotarmisten, Deserteure, Politoffiziere, Kulaken und Kollaborateure, und jeder verfolgt in diesem Kriegsaugust 1941 eigene Interessen, die alle vor der großen vaterländischen Verteidigung rangieren.

6/28/2004

Kinok

Erst seit einem halben Jahr online, aber dafür schon sehr umfangreich: Kinok, eine französischsprachige Filmseite, die ganz auf (meist ziemlich umfangreiche) Gespräche mit Filmemachern (und zumindest theoretisch: auch anderen Leuten, die mit Film zu tun haben) setzt.

"Mis en ligne en novembre 2003, Kinok est un site à but non lucratif.
Un site d'entretiens, d'interviews de cinéma. Donner la parole à tous ceux qui font le cinéma, dans la lumière ou dans l'ombre. Cinéaste, acteur, scénariste, chef opérateur, monteur, ingénieur du son, producteur, décorateur, compositeur, critique, exploitant …
Toutes vos remarques, humeurs et annotations diverses sont les bienvenues."


Bisher Gespräche unter anderem mit C. Akerman, R. Depardon, R. Goupil, C. Klapisch, M. Makhmalbaf, J. Rouch. Sehr frankreichorientiert, aber prinzipiell offen. Zudem bei einigen Einträgen mit "Annexes" versehen, in denen sich Auszüge aus Drehbüchern, Scans aus Presseinfos etc. finden.

6/27/2004

noch mehr Moore

Die Wochenendbeilage im Standard, das Album, widmet Michael Moore zum Kinostart von "Fahrenheit 9/11" ein Dossier: Von einem Regisseur, der auszog, das Bush-Bashing zu lehren - und von einem Präsidenten, der damit vielleicht ganz gut leben kann.
Claus Philipp findet Moore zwar unterhaltsam, aber als großen Dokumentaristen sieht er ihn nicht.
Bert Rebhandl über die umstrittenen "dokumentarischen" Strategien des Politentertainers.
Kurze Statements von Godard bis Tarantino.
Und so weiter ...

Mexikanisches Kino

A.O. Scott, Filmchef der New York Times, schildert seine Eindrücke von einer Film-Forum-Reihe zum mexikanischen Kino. Der Komiker Cantinflas kommt vor und auch Bunuel, Scott zieht Vergleiche zum US-Studiosystem und entdeckt eine tiefe Inkompatibilität mit Amerika:

There is perhaps nothing more alien to North American sensibilities than the idea of a popular culture rooted in tragedy, and one of the revelations of Cine México is that an essentially tragic sensibility can contain so much humor, so much variety, so much life.

[via daily greencine]

Lalo Schifrin

Bei Spiegel Online ein Interview mit dem Filmkomponisten Lalo Schifrin, der seine genialen Momente hatte ("Mission Impossible", "Dirty Harry") und in den 80er, naja, waren halt die 80er. Über Filmmusik:

Mit Strawinsky, Ravel oder Stockhausen, um nur einige zu nennen, können wir ganz sicher nicht mithalten.

Philippe Garrel

Anlässlich einer großen Retrospektive in der Cinémathèque in Paris ein Interview mit dem Regisseur Philippe Garrel (hier mein Text zu "Elle a passé tant d'heures sous les sunlights"). Darüber, wie schwierig die Restauration seiner Werke ist. Über die Produktionsbedingungen in den 70ern:

Comment faisiez-vous pour vous produire tout seul ?

Je suivais une espèce de formule mathématique, avec très peu d'argent. Je calculais le nombre de jours de tournage que je pouvais faire en étant moi-même opérateur, ou en faisant venir un ami à ce poste. Une fois le film tourné, je faisais livrer les rushes au CNC, en leur demandant une avance après tournage…Cette avance après réalisation me permettait de régler les frais de laboratoire. D'autres films ont été produit uniquement avec l'argent d'amis…


Und noch mehr Garrel: Interview bei Libération.

[via new filmkritik]