1/29/2005

Sundance: Die neue Dokumentation von Werner Herzog

In seinem vierten Sundance-Bericht kommt Roger Ebert auch auf Grizzly Man, die neue Dokumentation von Werner Herzog, zu sprechen. In diesem "astonishing portrait" beschäftigt Herzog sich mit Tom Treadwell, der 13 Jahre lang in Alaska unter Grizzlybären lebte und angeblich auch deren Sprache lernte (spätestens hier weiß man dann wohl auch, was Herzog an diesem Stoff reizte...). Natürlich filmt Herzog wieder nicht nur bloß ab, sondern entwickelt vor allem ein Verhältnis zum Gegenstand selbst, in dem die "Realität der Buchhalter" (so Herzog selbst einmal über ein bestimmtes Konzept dokumentarischer Realität) des lediglich faktisch Vorfindbaren dem Film untergeordnet ist.

Ebert schließt kurz und knapp: "'Grizzly Man' is chaotic, hostile, deadly, harmonious, and brilliant." Ich bin gespannt.

Rosenbaum on "Notre Musique"

Jonathan Rosenbaum bespricht Godards Notre Musique für den Chicago Reader:

Godard is relatively reclusive today, so one can't glean much that's journalistic from Notre musique apart from the material relating to Sarajevo and the examination of various texts. Yet he still has things to teach us about the way our responses to image and text tend to be coded and predetermined -- something that's especially evident during his illustrated lecture. Holding up a photograph of charred ruins, he asks the students where it was taken, and they suggest sites in eastern Europe and Japan. "No," he says. "Richmond, Virginia, 1865." Our music has clearly been playing for centuries.

1/27/2005

Hal Hartleys "The Girl From Monday"

Wenig enthusiastisch der Bericht von Hannah Eaves zur Erstaufführung auf dem Sundance-Festival bei Greencine:

Hal Hartley's latest, The Girl From Monday, is likely to get a mixed response from critics and audiences alike. Starring Bill Sage and Sabrina Lloyd, it is what Hartley calls "fake sci-fi." Though it takes place vaguely in the future there is an undeniable sense that it could be happening right now; that, in fact, our current world is so surreal it could have slipped into science fiction without our noticing. Stylistically, it follows on from The Book of Life and is full of off angles and slow shutter speeds (what Hartley calls the "Wong Kar-wai button" on the camera). In Hartley's vision of the future (or, rather, exaggerated opinion of the present), sex is nothing but a commodity, used to boost one's credit rating. (...) There are some effective moments, particularly in the first half and towards the end, and Hartley's continual experimentation with narrative and performance is something to be respected.

Mehr zum Film, vor allem ein Interview mit Hartley bei Wired News. Das Interessanteste an dem Film ist seine Distribution. Er wird nämlich nur sehr kurz und an wenigen Orten im Kino zu sehen sein (am prominentesten: im Moma); die eigentlichen Einnahmen für den sehr billig produzierten Film sollen aber über den Verkauf der DVD generiert werden, die ab April auf Hal Hartleys Website Possible Films erhältlich ist.

In eigener Sache

Ekkehard Knörer hier in der taz mit einem sehr lesenswerten Text zu Jean-Pierre Jeunets Weltkriegsmärchen Mathilde.

Walter Benjamin hat von der Sehnsucht des 19. Jahrhunderts nach dem "Futteral" gesprochen, vom bürgerlichen Traum eines Lebens, das sich die Welt zum Interieur macht und gegen jede Irritation abzuschirmen sucht. Es artikuliert sich darin ein Wunsch nach Regression und Rückzug aus der Wirklichkeit, der sich harte soziale Tatsachen in schmuckes Kunsthandwerk und plüschige Darstellungen zurechtformt. Diese Sehnsucht nach Futteralisierung des Historischen spricht bei Jeunet aus jedem Bild - und es wird deutlich, dass das Fantastische bei ihm auch und gerade in seinen dunkleren Varianten nach diesen Futteraleffekten strebt.