Comix Corner : Comics & Graphic Novels. Juan Díaz Canales und Juanjo Guarnido: Blacksad
 
 
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Autoren

Hoch interessantes Interview mit Canales und Guarnido bei BD Paradisio (leider auf französisch).

Wertung


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Juan Díaz Canales und Juanjo Guarnido: Blacksad
#1. Irgendwo zwischen den Schatten

Eine Kritik von Ekkehard Knörer

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Ein melancholischer Privatdetektiv, dessen einstige Geliebte ermordet wurde. Der einsam durch die Gegend stapft und von diversen Gangstern unsanft gewarnt wird, sich aber seiner Haut zu wehren weiß. Der sich mit dem ermittelnden Polizeidetektiv ins Gehege kommt. Klingt alles nach bester Chandler-Tradition, auch nach abgenudeltsten Hardboiled-Klischees, nur dass es in New York (oder eher Gotham), nicht in LA spielt. Vor allem aber sind alle Figuren des Comic-Krimis Blacksad Tiergestalten, oder genauer: Menschengestalten mit Tierköpfen. Detektiv Blacksad ist ein schwarzer Kater, Polizist Smirnow ein Schäferhund, die Gangster wie die Statisten sind ein ganzer Zoo von Echsen, Ratten, Krokodilen, Schweinen etc.

Das ist nicht nur ein hübscher Verfremdungseffekt, sondern im verblüffend gelungenen optischen Ergebnis eben auch etwas sehr Comic-Spezifisches: die auftretenden Tierkopf-Figuren sind zwar einerseits zur typologischen Kenntlichkeit überzeichnet, andererseits handeln sie aber wie selbstverständlich ganz als die gewohnten Hardboiled-Charaktere, nicht als deren Karikaturen. Im Gegenteil: selten ist Tiergesichtern soviel zutiefst menschlicher Ausdruck abgewonnen worden. Das ist eine der Leistungen des Zeichners Juanjo Guarnido, der sich in diesem ersten Band einer geplanten Serie ohne jeden Abstrich als Stift-und-Tusche-Genie erweist. Jeder einzelne Panel ist ein Augenschmaus für sich: die Figuren sind mit großer Sorgfalt gezeichnet, der Präzision der Gesichtsausdrücke korrespondiert ein umwerfendes Gespür für Komposition und Dynamisierung gleichermaßen. Einmal gelingt es Guarnido, allegorische Friedhofsfiguren die Situation des Helden einfach durch ihr Ins-Bild-Rücken kommentieren zu lassen. Nicht nur ein grandioser komischer Einfall, sondern auch ganz unaufdringlich in der Ausführung. Die Perspektiven, auch die Lichtführungen sind oft überraschend, aber nie auf Effekte aus, auch die Seitenaufteilung ist makellos, variabel, die Panels sind nicht durch feste Rahmen begrenzt, sondern nur durch schmale Streifen weiß voneinander begrenzt. Geschickt nützt Guarnido leichte Monochromfärbungen wie filmische Filtereffekte zur Erzeugung von Atmosphäre: ein düsteres Braun zu Beginn, später ein kaltes Grau und in einer Rückblende, die den Bericht einer sterbenden Figur wiedergibt, sind die Bilder in ein dunkles Rot getaucht.

Geschickt bleiben Zeit und Ort von Blacksad im Vagen. Die New-York-Anklänge sind deutlich, aber nie eindeutig identifizierbar. Autos, Kleidung, Straßenszenen siedeln die Geschichte in einer Art Ideal-Vergangenheit an, zu der die Versammlung von Hardboiled-Genre-Versatzstücken, zu denen auch die arg pathetischen inneren Monologe des Helden gehören, schon wieder passt. Der Qualitätsunterschied zwischen Szenario und Zeichnung bleibt dennoch eklatant. Nicht weil die Geschichte von Díaz Canales besonders schlecht wäre. Sondern weil Juanjo Guarnidos Kunst so atemberaubend ist.

Comix Corner:  Juan Díaz Canales und Juanjo Guarnido: Blacksad

Das Copyright des Textes liegt beim Autor. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit seiner Zustimmung.

Die Bildrechte verbleiben bei ihren Eigentümern. Image Copyright © Guarnido & Canales - Editions Dargaud 2001

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