Jump Cut Kritik

Startseite -  Inhaltsverzeichnis - Klassiker - Archiv - Links - Forum - Mail

 

Miguel Angel Lamata: Una de Zombis (Spanien 2003)

Kritik von Stefan Höltgen 

Nach dem letztjährigen Fiasko mit „Mucha Sangre“ durfte man eigentlich von einem spanischen Horrorfilm, der vom Ankündigungsheft des Fantasy-Filmfestes als „temporeicher Spanien-Trash“ apostrophiert wird, nicht viel erwarten. Umso größer war dann die Überraschung, dass mit „Una de Zombis“ so eine Art intelligentes „Making of“ von „Mucha Sangre“ in Spielfilmform vorliegt. Natürlich ist es kein echtes „Making of“, aber eines, das recht gut darüber spekuliert, wie Horrorfilmgurken in Spanien gezüchtet werden.

Der arbeitslose Caspas und sein spätpubertierender Freund Aijón (der bei einem Radiosender als Discjockey arbeitet) träumen davon, einen Film zu drehen. Sie haben kein Budget, keine Darsteller, keinen Produzenten und vor allem kein Skript, sind sich aber sicher, dass ein Film genau das ist, was sie zu Berühmtheit und Sex (mit den dann zu castenden Schauspielerinnen) führen wird. Als Caspas zu Hause rausgeworfen wird und Aijón seinen Job verliert, scheint ihr Vorhaben dringlicher denn je in die Tat umgesetzt werden zu müssen. Während Aijón damit beschäftigt ist, Darstellerinnen zu casten und sich Filmtitel wie „Miss Fists“ auszudenken, setzt sich Caspas an das Drehbuch, in dem er seine persönlichen biografischen Katastrophen und die jeweils jüngsten Erlebnisse Caspas’ einarbeitet. Dieser gerät nämlich bei seinen Streifzügen durch die Stadt mehrfach in die Fänge einer Zombie-Sekte, die sich die „Anti-Christen“ nennen und vom ehemaligen Lehrer Caspas’ angeführt werden. So entsteht nach und nach das Skript zu einem „Film über Zombies“ (was der spanische Titel „Una de Zombis“ bedeutet).

Die Begriffe „temporeich“, „hintergründig“ und „selbstreflexiv“ sind zwar schon viel zu häufig als Füllwörter in Kritiken verbaut worden – auf „Una de Zombis“ treffen sie aber voll zu. Lamatas Film wirft einen äußerst sarkastischen Blick auf die Filmproduktionsbedingungen in Spanien, zeigt Produzenten als geldgierige Kunstbanausen und führt bei einem Gespräch zwischen Aijón und seinem Vater vor, worauf ein guter Film basiert: Sex, Action und Gewaltdarstellungen. Als Aijón sich lieber in die Riege von Cronenberg und anderen Autorenfilm-Größen verorten will, winkt der ältliche Mann ab: So etwas will niemand sehen. Die beiden Protagonisten sind also wechselweise damit beschäftigt, mit ihren überzogenen Ideen an der Realität abzuprallen und sich den Kopf mit Alkohol und Drogen zu vernebeln. Am Ende solcher Exzesse steht dann eigentlich immer eine Kotz-Szene. Die wenigen Freunde (besser: Freundinnen), die sie sich während der Vorproduktion anlachen, suchen schnell das Weite.

„Una de Zombis“ ist genau der richtige Film, mit dem man sich von Seherfahrungen unterster Provenienz (eben: „Mucha Sangre“ und Co.) heilen lassen kann. Sicherlich wird die kleine Produktion nicht berühmt werden, dass der Film jedoch bereits einen deutschen Verleiher (I-ON) für die DVD-Veröffentlichung gefunden hat, lässt hoffen, dass er sein Publikum dennoch finden wird.

zur Jump Cut Startseite

     

Suchen
 
Google
Web Jump Cut