....

Musik: Hugo Race & The True Spirit in Aachen

INFO
Startseite
zur Startseite

Zum Magazin

KONZERT

________________________________________________________________

Der ewige Geheimtip Hugo Race mal wieder auf Tournee in Deutschland

Hugo Race & The True Spirit, Musikbunker Aachen, 7. Juni 2001

Eine Kritik von Christof Herrmann

"Thank you for your passion and understanding" hauchte Hugo Race während des Konzertes mit seinen True Spirits im Musikbunker in Aachen immer mal wieder ins Mikrophon, als müßte er sich für seinen schwer verdaulichen, schrägen Großstadtblues entschuldigen. Das Wetter an diesem Abend paßte zur Musik: es regnete und war viel zu kalt für die Jahreszeit. So verirrten sich nur rund 50 Verwegene in den kleinen Liveclub, um der rauchigen Stimme des australischen Weltenbummlers zu lauschen.

Dessen Musik zu kategorisieren ist kaum möglich, wer jedoch Platten wie Bone Machine von Tom Waits, Trout Mask Replica von Captain Beefheart oder auch White Light/White Heat von Velvet Underground liebt, wird auch den inzwischen neun Soloplatten von Hugo Race einiges abgewinnen können. Einfach gemacht hat er es seinen Fans noch nie, weder in den 80er Jahren mit den australischen Kultcombos Marionnettes und The Wreckery, noch als Gitarrist in Nick Cave's Begleitband The Bad Seeds und schon gar nicht in den 90er Jahren mit seinen eigenen zwischen intimen Blues und eruptiven Independent-Rock springenden Alben.

Hugo Race: Long Time AgoDas Material des Konzerts in Aachen setzte sich zum größten Teil aus Stücken der Doppel-CD Long Time Ago zusammen, eine für den Einstieg durchaus geeignete Retrospektive seiner bisherigen Arbeit. Dass an diesem Abend die Stimme viel zu weit im Hintergrund, Gitarren und Schlagzeug hingegen zu weit in den Vordergrund gemischt wurden, war ärgerlich und störte vor allem bei den schnelleren Stücken. Mit den quälenden Feedbackorgien konnte kaum jemand in dem ehemaligen Luftschutzbunker etwas anfangen, auch wenn niemand eine kurzweilige Bluesrocknacht erwartet hatte, womit an gleicher Stelle ein paar Wochen vorher Stan Webb den Hühnerstall zum Brodeln gebracht hatte.

Welch Potential in dem Kettenraucher aus Melbourne steckt, zeigte sich so auch erst in Midtemposongs wie "Valley Of Light" oder einer schaurigen elektro-akustischen Coverversion von "River Of No Return", in denen zur Freude von Ohren und Seele die Songs und nicht die Sounds im Vordergrund standen. Und wenn einmal der Mix stimmte, Hugo Race über den täglichen Kampf gegen das Schlechtdraufsein sang, der großartige Chris Hughes an den Drums um sein Leben trommelte und Nico Mansy sowie Marta Collica mit Samples und Keyboards trippige Überraschungseffekte einstreuten, erlebten die Zuschauer Glücksgefühle in all dem Unglück. Dann zeigte sich auch der wahrer Geist von Hugo Race: er besitzt den Stil, das Charisma und die Arroganz eines Großen, verzichtet jedoch auf jegliche kitschige Melodik, die seinem großen Bruder Nick Cave in Starsphären und in bestuhlte Philharmoniesäle katapultiert hatte.

Nach 100 Minuten ist das Konzert vorüber. Nur wenige sind bis zum Ende geblieben, um sich diese geniale, Vertonung eines Alptraums komplett anzuhören. Draußen regnet es noch immer.

Weitere Tourdaten:

10.06.2001 Hamburg, Knust

13.06.2001 Berlin, Pfefferberg

14.06.2001 Halle, Objekt 5

GlitterhouseTip: Beim Label und Versand Glitterhouse gibt es derzeit fünf der neun Alben von Hugo Race & The True Spirit für den Preis von 9,90 DM bis 12,00 DM

Hugo Race & The True Spirit in Aachen

Das Copyright des Textes liegt beim Autor. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit seiner Zustimmung.

Die Bildrechte verbleiben bei ihren Eigentümern. Die Bilder dienen hier nur der Illustration.

Für Kommentare etc.: Mail