Francois Ozon: Unter dem Sand (2000)

.

Jump Cut Filmkritik
__________________
Magazin für Film & Kritik:
Rezensionen und News.

Impressum

 

 


.

Videos bei Amazon
Videos & DVDs bei Amazon

Unter dem Sand (2000)

F 2000

Regie: Francois Ozon

Mit Charlotte Rampling, Bruno Kremer

Ebenfalls besprochen:

Francois Ozon: Tropfen auf heiße Steine

Francois Ozon: Kurzfilme

Lesen Sie auch:

Francois Ozon im Lexikon der Regisseure

Schwesterseiten

Auteur.de - Lexikon der Regisseure
Comix-Corner - die Comic-Website
Crime-Corner - die Krimi-Website
Literatur-Corner - die Seite für Literaturkritik
SciFi-Corner - die Science-Fiction- Website

Theater-Corner - die Theater-Seite
.

Archiv

Filmkritik
Filmbuchkritik
Filmklassiker
Alle alten Kritiken in der Übersicht
.

Interaktiv

Forum
Diskutieren Sie über Filme und/oder unsere Kritiken!

Mail
Was immer Ihnen an uns passt oder nicht passt.

.

Francois Ozon: Unter dem Sand (2000)
Kritik von Ekkehard Knörer

 [Image]

Der Tod lauert am hellichten Tag, man sieht ihn nicht, ganz wie in Nanni Morettis Das Zimmer meines Sohnes. Dort verliert eine Familie den Sohn, hier verliert Marie ihren Mann. Scharf und klar sind die Bilder von der Fahrt in die Ferien, die so scheinbar harmlos mit einem kurzen Aufenthalt auf einer Autobahnraststätte beginnt (und doch kann keiner, der ihn kennt, umhin, an George Sluizers Spurlos zu denken, den Film, in dem in genau derselben Situation ein Mann seine Freundin verliert). Lichtdurchflutet ist die Landschaft am Meer, Licht dringt in das Ferienhaus, als die Tür geöffnet wird. Wenig wird gesprochen, alles aber wirkt noch harmlos genug, wie die Vertrautheit nach 25 Jahren Ehe. Und doch liegt in der Kommentarlosigkeit dieser Bilder, von denen man nicht ahnt, worauf sie hinaus wollen, jene thrillernahe untergründige Drohung, die man bereits in Ozons meisterhaftem Kurzfilm Regarde La Mer erlebt hat.

Nachdem ihr Mann verschwunden ist, fährt Marie zurück nach Paris, ein Schnitt und sie sitzt an einem Tisch mit Freunden und spricht über Jean, als sei nichts passiert. Der Betrachter reibt sich die Augen, denn der schnelle, ganz gewöhnliche Film-Schnitt kaschiert, ganz offenkundig, den radikalen Schnitt zwischen der Verzweiflung und der Verdrängung, die die Reaktion darauf ist. Zeit ist vergangen, mittlerweile ist Winter, auch den Bildern sieht man das an (Ozon hat zwei verschiedene Kamerafrauen eingesetzt, eine für den ersten kurzen Sommer- und eine für den Winter-Teil; letzterer ist, aus finanziellen Gründen, auf  Super-16 gedreht): grau, körnig, verwaschen sind sie, nichts strahlt mehr. Dieser Schnitt markiert vor allem Maries Verleugnung eines solchen Schnitts: Nichts soll passiert sein, sie spricht von Jean, als lebte er, ja, mehr noch: sie spricht mit Jean, sie sieht ihn, lebt mit ihm, kauft ihm Krawatten. Die Kamera wird zum Komplizen von Maries Blick, zeigt das Gespenst Jeans, das eine für Gespenster unübliche körperliche Massivität hat. (Und hier kann, wer ihn kennt, nicht umhin, an Don DeLillos - jedoch spezifisch anders akzentuierten - jüngsten Roman Körperzeit zu denken).

Unter dem Sand erzählt von  dem Widerwillen Maries, in die Wirklichkeit zurückzufinden. Oder, komplizierter: in die Wirklichkeit, in der sie sich ganz selbstverständlich zu bewegen scheint, von ihren Vorlesungen bis zum häufigen Besuch des Fitness-Centers, die Tatsache des wahrscheinlichen Todes Jeans einzuarbeiten. Zu trauern. Den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Marie wehrt jede Auseinandersetzung heftig und entschieden ab. Vincent, der sie begehrt, will ihr helfen, wie ihre englische Freundin, Marie weigert sich, beharrt auf ihrem Leben mit der Fiktion. Diese Fiktion ist flexibel, da sie nicht auf der tatsächlichen Existenz insistiert, der immer wieder erscheinende Jean ist mehr die Allegorie der Unfähigkeit, Abschied zu nehmen. Dass er Marie und Vincent beim Sex beobachtet, ist noch nicht das Problem. Erst als Vincent fordert, Marie müsse über Jeans Tod hinweg kommen, beendet sie die Affäre. Alle Trauerarbeit bleibt seltsam verschoben: Marie entdeckt im Badezimmerschränkchen ihres Mannes Medikamente gegen Depressionen, von denen sie nichts geahnt hat. Sie macht sich Sorgen.

Ein bizarrer Höhepunkt ist die Begegnung Maries mit der greisen Mutter Jeans in einem Altenheim. Ein merkwürdiger Kampf um den Mann, eine verblüffende Verkehrung der Positionen. Marie überzeugt ihre Schwiegermutter davon, dass Jean tot ist, muss sich dafür anhören, er habe sich umgebracht, weil sie ihn zu Tode gelangweilt habe. Wir wissen nicht, was wir davon halten sollen. Der Film gibt einem keinen Anhaltspunkt. Maries Heilung scheint eingesetzt zu haben, scheint sich fortzusetzen: sie fährt zurück ans Meer, sieht sich die Leiche an, die an Land gespült worden ist (ein Blick, den Ozon dem Zuschauer nicht zumutet). Doch, zuletzt, wehrt sich Marie erneut, akzeptiert die massiven Indizien nicht. Enigmatisches Schlussbild: Sie ist wieder am Strand, erblickt eine Gestalt in der Ferne. Sie lacht, läuft darauf zu. Vielleicht aber, die Perspektive ist nicht eindeutig, auch daran vorbei. Was hat sie gesehen? Wir wissen es nicht, der Film blendet ab.

zur Jump Cut Startseite

.

Suche


powered by crawl-it
.

Newsletter

Anmelden zum Jump Cut Newsletter mit wöchentlichen News und Updates

Powered by KBX7

.

Jump Cut Partner

Francois Ozon: Unter dem Sand
Francois Ozon: Unter dem Sand
Bestellung bei Amazon

DVDs & Videos
Suchbegriffe:



In Partnerschaft mit Amazon.de

.
.

Internet Movie Database


Filmtitel Person
Powered by www.IMDb.com