3/16/2005

Hoberman über "Melinda and Melinda" und "Steamboy"

Zwei Hoberman-Besprechungen in der aktuellen Village Voice sind von Interesse: Zum einen hat er Woody Allens neuen Film Melinda and Melinda gesehen. Die Vorfreude, die sich nach den euphorischen, respektive sehr wohlwollenden Besprechungen auf aintitcool.com und in ScreenDaily (online nicht mehr einsehbar) einstellte, wird hier ein wenig gedämpft: "Neither comedy nor tragedy, the movie is closest to genteel soap opera." In diesem Zusammenhang verweise ich dann noch auf A.O. Scotts ausführlicheren Text zu Woody Allen in der New York Times, der ausdrücklich keine Besprechung von Melinda and Melinda darstellt, sondern sich eher mit dem generellen Misstrauen beschäftigt, das Allen in der späten Phase seines Schaffens gemeinhin entgegengebracht wird. Der deutsche Kinostart des neuen Allenfilms wurde derweil von Februar auf Ende April verschoben. Dies mag besorglich stimmen, zumal der diesmal verantwortliche Verleih, die 20th Century Fox, wohl kaum das Engagement um das Werk Allens mitbringt, mit dem der Kleinverleih Alamode zuletzt Anything Else nach einer langen Wartezeit zumindest auf schmaler Basis noch in die hiesigen Kinos wuchtete. Immerhin: Trailer zum Film wurden bereits vereinzelt im Kino gesichtet.

Image Hosted by ImageShack.usDie zweite Besprechung beschäftigt sich ausführlich mit Katsuhiro Otomos neuestem Anime Steamboy. Otomo, der für den Manga und Anime Akira verantwortlich zeichnete, hat mit dem international herbeigesehntem Steamboy den bislang teuersten Anime der japanischen Filmgeschichte vorgelegt. Seine Geschichte ist rund um die Weltaustellung im 19. Jahrhundert in Großbritannien angelegt, ist aber dennoch (oder vielleicht: gerade deswegen) "mainly [...] about technology", wie es zum Werk Otomos gehört. Und auch das Megalomane findet sich wieder, wenn, wie versprochen wird, London in grandiosen Bildern zerstört wird. Die Melancholie und der visuelle Elan des kürzlich erschienenen Ghost in the Shell 2 wird, laut Hoberman, zwar nicht erreicht, doch, however, it's a sensationally designed piece of work. (The retro stylistics are comparable to Brazil, David Lynch's Dune, and The Iron Giant.) Steamboy glosses the most resilient scenario in Japanese pop culture. The movie may be set in the world of David Copperfield and Little Nell, but it conjures a spectacle of urban destruction worthy of Godzilla.

Steamboy wird demnächst im Rahmen der "Nacht der tausend Schreie", die Aufwärmveranstaltung zum eigentlichen Fantasy Filmfest im Sommer, in mehreren deutschen Städten zu sehen sein. Termine finden sich auf der Website des Festivals.

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