| Kassensturz und Exodus
Frauen an die Macht - das Motto gilt nun auch in Hollywood: Julia
Roberts ist der zugkräftigste Star der Traumfabrik, teilt sich den
Spitzenplatz allerdings mit zwei männlichen Kollegen. Auch in Sachen
Gage geht es bei den Frauen aufwä'8arts: Cameron Diaz ist das neueste
Mitglied im exklusiven 20-Millionen-Dollar-Club. Außerdem: Warum immer
mehr Produzenten Hollywood den Rücken kehren und wieso "Rollerball"
in Deutschland mit mehr Sex ins Kino kommt.
Tom Cruise, Tom Hanks und Julia Roberts sind die mächtigsten
Stars in Hollywood - behauptet jedenfalls die Branchenzeitschrift "Hollywood
Reporter", die jedes Jahr in einer Umfrage ermittelt, wie kassenträchtig
Filmstars wirklich sind. Dabei erreichten alle drei Schauspieler die maximale
Punktzahl und teilen sich somit den Spitzenplatz.
Dass Cruise und Hanks in Hollywood das Sagen haben, ist nicht neu:
Hanks stand schon letztes Jahr ganz oben auf der Liste, Tom Cruise im Jahr
davor. Für Julia Roberts ist die Spitzenposition jedoch ein Novum -
mit ihr steht erstmals eine Frau an erster Stelle. Zu den zehn wichtigsten
Kassenmagneten zählen außerdem Mel Gibson, Jim Carrey, George
Clooney, Russell Crowe, Harrison Ford, Bruce Willis und Brad Pitt - in dieser
Reihenfolge. Ihre hohe Zugkraft garantiert den Schauspielern exorbitante
Spitzengagen. Wer in der "Hollywood Reporter"-Liste oben steht, gehört
ganz automatisch zum 20-Millionen-Dollar-Club.
"Drei Engel": Himmlische Gage für Cameron Diaz
Ein Neuzugang in diesem exquisiten Kreis ist Cameron Diaz ("Vanilla
Sky"): Für ihre Mitwirkung an "Charlie's Angels 2" kassiert die
29-jährige Blondine erstmals in ihrer Filmkarriere 20 Millionen Dollar.
Die Fortsetzung des von den Kritikern geschmähten Kassenhits "Drei Engel
für Charlie" geht demnächst vor die Kameras, und auch Drew Barrymore
und Lucy Liu sind dabei wieder mit von der Partie. Dankend verzichtet hat
dafür Bill Murray, der im ersten Teil den Sidekick Bosley spielte. Grund:
Murray kann Lucy Liu nicht leiden - und wird deshalb im zweiten Teil vom
schwarzen Schauspieler und Entertainer Jamie Foxx ersetzt.
Kostendruck: Exodus aus Hollywood
Die hohen Star-Gehälter sind nicht ohne Folgen: Das Geld wird
von den Produktionsfirmen an anderer Stelle wieder eingespart. Zum einen
bei den unbekannteren Schauspielern, die sich mit Gagenkürzungen abfinden
müssen. Zum anderen erlebt die Traumfabrik seit enigen Jahren einen
wahren Exodus: Teure Blockbuster wie "X-Men 2", "Star Wars: Episode 2" und
"Terminator 3" werden im Ausland produziert. Sogar das Musical-Remake "Chicago"
wird, um Geld zu sparen, in Toronto hergestellt. Die Verlockung: In Kanada
sparen die Produzenten gegenüber Los Angeles zwischen zehn und 15 Prozent
des Budgets. Bei "Terminator 3", der sagenhafte 150 Millionen US-Dollar kosten
soll, ist das viel Geld. Es fließt jedoch direkt an Arnold Schwarzenegger
ab, der für den Film eine Rekordgage um die 30 Millionen Dollar
kassiert.
Kein Wunder, dass die großen Studios auf Nummer Sicher gehen
- riskante Kreativität ist auch im Jahr 2002 verpönt. Hollywood
setzt lieber auf Altbewährtes: Neben zahllosen Remakes und Sequels landen
vor allem eingefü'9fhrte Stoffe auf der Leinwand, wie die Realverfilmungen
der Comics "Spiderman" und "Scooby-Doo". Der kurzzeitig aufgeflammte
Hoffnungsschimmer, dass der 11. September mittelbar zu originelleren Filmen
würde, ist dahin.
"Rollerball": Mehr Sex-Appeal für deutsche
Kinogänger
Auch "Rollerball" von John McTiernan ("Stirb langsam") ist ein klassisches
Remake - und wurde ebenfalls in Kanada hergestellt. Der Action-Streifen mit
Chris Klein und LL Cool J hat einige Krisen hinter sich: Bereits im Sommer
letzten Jahres abgedreht, wurde die Rohfassung vom einflussreichen Online-Guru
Harry Knowles nach einer Vorführung vernichtend kritisiert. Der Film
wurde anschließend umgeschnitten, Szenen nachgedreht. In Amerika kommt
"Rollerball" nach langer Lagerzeit nun am 8. Februar in einer entschärften
Fassung in die Kinos. Deutschland hat es besser: Dort ist der recht brutale
Skater-Streifen, der eine zeitgemäße Form des Gladiatoren-Sports
beschreibt, unzensiert und mit mehr Sex-Appeal zu sehen. Am 21. März
ist es soweit.
Ansehen/Wegsehen - 7.2.02
Ansehen: "Rush Hour 2"
Jackie Chan schlägt wieder zu. Die Fortsetzung des Kassenhits
"Rush Hour" kommt bei uns aufgrund der Turbulenzen um den Kinowelt-Verleih
mit einem halben Jahr Verspätung in die Kinos. Macht nichts: Wem der
rasante Slapstick-Stil des Originals gefallen hat, kommt auch beim zweiten
Teil auf seine Kosten. Kickend und plappernd löst das von Jackie Chan
und Komiker Chris Tucker dargestellte Polizisten-Duo zwischen Hongkong und
Los Angeles einen neuen Fall.
Wegsehen: "Jeder ist ein Star"
Dass Dominique Derudderes richtungslose Filmkomödie im letzten
Jahr für einen Auslands-Oscar kandidierte, ist bei genauerer Betrachtung
dieses Streifens schwer zu glauben. Zwischen Satire, Drama und Klamauk lavierend,
findet der von Belgien, Frankreich und den Niederlanden finanzierte Film
um ein dummdreistes Star-Kidnapping einfach nicht den richtigen Ton - was
allerdings zum Teil auch an der miserablen deutschen Fassung liegt.
Rico
Pfirstinger
copyright Rico Pfirstinger 2002
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