6/10/2004

taz: film

In der taz wird heute rezensiert.

1) Cronenbergs "Spider" (unsere Kritik), von Tom Holert, mit viel Psychoanalyse und sonstiger Theorie:

Auf den ersten Blick schleppt sich hier, im Zeitlupen-Tempo seines Protagonisten, ein behäbig inszeniertes Psycho-Narrativ dahin - absolut frei von Suspense, selbst in jenen Momenten, in denen sich das traumatisierende Geschehen zuspitzt. Doch markieren die öden Orte der Handlung und die tristen Tropen der Erzählung für Cronenberg keine Spätwerk-Einkehr ins Konventionelle, nach einem langen Leben als Autor des Abjekten. Mit deleuzianischer List wird der Film vielmehr in ein irritierend interaktives Verhältnis zu seinen BetrachterInnen gesetzt.

2) Michel Gondrys "Human Nature" (unsere Kritik) nach Charlie Kaufmans Drehbuch. Andreas Busche ist ein bisschen hin-, dann aber doch eher hergerissen:

Doch Gondrys Film und Kaufmans Skript spielen nur die nächstliegenden Möglichkeiten dieser viel versprechenden Grundidee durch - als wäre eine werkgetreue Shakespeare-Rezitation schon der Gipfel der Kultiviertheit. Kaufman sollte es besser wissen. Mit seinem Drehbuch zu "Adaption" hat er die Irrtümer menschlicher Verhaltensweisen hintergründiger auseinander gefriemelt. Die Essenz der menschlichen - oder der männlichen? - Natur fasst Nathan in "Human Nature" wie folgt zusammen: "Wenn du zweifelst, tu nie, was du wirklich tun willst." Ganz so einfach gestaltet sich das richtige Leben im falschen dann doch wieder nicht. Am Ende nämlich nehmen sie sich alle nichts - die Menschen und all die anderen Affen.

3) Tom McCarthys "The Station Agent". Ein bisschen zu gut für diese Welt findet Philipp Bühler den Film. Gelegentlich. Aber er mag ihn.

Als Independent-Film zum Gutfühlen kann "The Station Agent" den einen oder anderen düsteren Subtext ganz gut vertragen. In seiner heiter-melancholischen Machart erinnert der Sundance-Gewinner an Jim Jarmuschs Drei-Personen-Stücke mit Landschaft: ins Nichts verlaufende Handlungsstränge, Verzicht auf emotionale Ausreißer, stattdessen minimalistisches Understatement und ruhige Beobachtung.

4) Barbara Schweizerhof gefällt am "Punisher" gerade, dass er nicht subtiler sein will als seine Comic-Vorlage:

Das Schöne an Hensleighs Film ist, dass er bis in die Bildkomposition hinein dem Comic Reverenzen erweist, also gerade da, wo sich das Medium Film sonst der zweidimensionalen Vorlage so überlegen glaubt.

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