Hollywood Insider Januar 2002

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Hollywood Insider

Kolumne von Rico Pfirstinger

zur ersten Kolumne vom 15.11.2001

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Hollywood Insider - Neues aus der Traumfabrik
Nr. 14 - 21. Februar 2002

Bericht von Rico Pfirstinger

 

Wa(h)re Größe

Mit Wiederaufführungen ihrer Trickfilm-Hits wollen Disney und Dreamworks das gebeutelte IMAX-Format aus seiner derzeitigen Krise führen. Außerdem: Jerry Bruckheimer macht aus dem Krieg gegen den Terror eine Fernsehshow, und Arnold Schwarzenegger zeigt den Kanadiern die kalte Schulter.

Vor drei Jahren hatte Brett Leonard, der Regisseur der IMAX-3D-Spektakel „T-REX“ und „SIEGFRIED & ROY“, ganz große Träume: Richtige Spielfilme wollte er auf die Riesenleinwand bringen, 90 Minuten lang, mit Handlung und – ganz wichtig – großen Stars. Mit Anthony Hopkins war er bereits im Gespräch.

Daraus ist erstmal nichts geworden: IMAX schlitterte in die Krise. Zwar sind die zwei- und dimensionalen IMAX-Filme optisch überwältigend, Dramaturgie und Unterhaltungswert der knapp 40 Minuten kurzen Streifen lassen jedoch arg zu wünschen übrig. In Sachen Drehbuch sind die aufwändigen Filme Zwerge, die in herkömmlichen Kinos keine Chance hätten. Die Attraktion des großen Bildformats alleine aber hat längst ausgedient – das Publikum erwartet mehr als schöne und brillante Bilder.

Auch für die vierzehn deutschen IMAX-Filmtheater wurde es in letzter Zeit zunehmend schwerer, sehenswerte Neuzugänge ins Programm zu hieven. Demzufolge spielen viele Kinos nun auch Ausschuss wie den Kunstflugstreifen „ULTIMATE G’s“, dessen Regisseur Keith Melton auch beim ungleich besseren „CIRQUE DU SOLEIL“ die Strippen zog.

Die Rettung für das 70 Millimeter breite Filmformat kommt ausgerechnet aus dem Hause Disney, dessen IMAX-Fassung von „FANTASIA 2000“ ein weltweiter Kracher war. Seit Januar läuft nun auch „DIE SCHÖNE UND DAS BIEST“ in vielen IMAX-Filmtheatern – und zwar nicht nur in voller Kinolänge, sondern sogar um eine neue Sequenz angereichert. Seit Anfang Januar hat der Film, der 1992 eine Oscar-Nominierung für den besten Film erhielt, etwa 16 Millionen Dollar eingespielt.

Von so viel Kohle inspiriert, bringt Disney nun auch „ALADDIN“ und „DER KÖNIG DER LÖWEN“ neu in IMAX-Fassungen heraus, und am 27. November steht sogar eine Premiere an: Dann startet Disney seinen neuen Trickfilm „TREASURE PLANET“ zeitgleich in herkömmlichen und zahlreichen IMAX-Kinos. Nur Deutschland guckt mal wieder in die Röhre: Dort kann man Disneys großformatige Produktionen näamlich nur in einem einzigen Filmtheater sehen: dem „IMAX Classik“ in Speyer.

Disneys Engagement blieb bei der Konkurrenz nicht unbemerkt: Dreamworks bringt im Mai die IMAX-Fassung seines Kassenschlagers „SHREK“ heraus – und zwar, im Gegensatz zum zweidimensionalen Original, in einer neuen 3D-Fassung. Doch auch ohne die beiden Trickfilmstudios zeichnet sich ein Comeback für das Großbildformat ab: Allein in diesem Jahr laufen gut zwanzig neue IMAX-Filme an. Besonders heiß erwartet wird der Dokustreifen „SPACE STATION 3D“ von Toni Myers. Die erste im Weltraum gedrehte IMAX-3D-Produktion verfolgt den Bau der Internationalen Raumstation (ISS) und kommt im Mai in unsere Kinos.

Terrorkrieg wird Reality-TV

„BIG BROTHER“ hat offenbar ausgedient: Für Jerry Bruckheimer, den Produzenten von „PEARL HARBOR“ und dem kriegerischen Filmgemetzel „BLACK HAWK DOWN“, liegt die Zukunft des Fernsehens auf dem Schlachtfeld. Und so wird Bruckheimer Amerikas „Krieg gegen den Terror“ demnächst zum Reality-TV verwursten. Voraussichtlich ab Sommer sollen die Zuschauer jede Woche das Leben von US-Soldaten im Kriegs- und Antiterroreinsatz auf dem Bildschirm mitverfolgen können.

Das Pentagon ist selbstverständlich mit von der Partie und sagte Bruckheimer jegliche Unterstützung zu. „FRONT LINE“, so der geplante Titel, wird nämlich eine Propaganda-Show. Das geben auch die Produzenten zu: „Die Sendung zeigt das Militär ganz klar in einem positiven Licht und wird pro-amerikanisch sein. Ganz sicher werden wir nichts kritisieren“, sagte Bruckheimers Partner Bertram van Munster dem Branchenblatt „Variety“. Und auch ein Ende für die Sendung ist nicht abzusehen. Schließlich habe der Krieg gegen den Terror ja auch keinen Endtermin.

Arnie: No Canada!

Auch Arnold Schwarzenegger (54) ist ein echter Patriot. Und weil er nach seiner Leinwandkarriere eventuell Gouverneur von Kalifornien werden will, hat sich der Schauspieler nun gegen die Produzenten des nächsten „TERMINATOR“-Streifens durchgesetzt. Die wollten „TERMINATOR 3“ ursprünglich in Vancouver drehen – weil es dort billiger ist. Arnold aber sprach ein Machtwort: Nun wird der Film, wie Schwarzenegger uns in einem Interview bestätigte, doch in Kalifornien produziert. Dass der neue „TERMINATOR“ dadurch teurer wird, bestreitet Schwarzenegger allerdings. Schon jetzt liegt das Budget des Films bei über 150 Millionen US-Dollar. Die Dreharbeiten sollen wie geplant am 15. April beginnen, Regie führt Jonathan Mostow („U-571“)

Ansehen/Wegsehen - 21.2.02

Ansehen: „THE DEEP END“

Aus Alt mach Neu: Unter der fähigen Regie von Scott McGehee und David Siegel wurde Max Ophüls' über 50 Jahre alter Thriller „SCHWEIGEGELD FÜR LIEBESBRIEFE“ neu verfilmt. Tilda Swinton brilliert dabei als eine Mittelklassehausfrau, die ihren homosexuellen Sohn (Jonathan Tucker) um jeden Preis beschützen will. Die Filmemacher Scott McGehee und David Siegel sorgten jedoch für eine zeitgemäße Aktualisierung dieses Melodrams um Mutterliebe und Familie, und so entstand eine Art Film Noir im Sonntagskleid: „THE DEEP END“ ist das Gegenteil von einem Action-Thriller - den beiden Regisseuren ging es vielmehr um die Zwischentöne eines Dramas, dessen Heldin die Kontrolle zu verlieren droht. „Wir sind Kontrollfreaks“, sagen Siegel und McGehee über ihre Art des Filmemachens – kein Wunder, dass sie sich gerade diesen Stoff zueigen machten.

Wegsehen: „COLLATERAL DAMAGE“

Man on a Mission: Zwar nimmt der alternde Heroe Arnold Schwarzenegger in seinem neuen Film keine Schusswaffe in die Hand, die armen Widersacher haben aber trotzdem keine Chance. Als braver Feuerwehrmann, der den Terrortod seiner Familie rächen will, ist Arnie bestenfalls auf halber Strecke überzeugend. Am Ende mutiert Schwarzenegger wie gewohnt zum Supermann, der alles kann. Cool finden so etwas nur noch die hart gesottenen Fans des Action-Helden – doch davon gibt es ja mehr als genug.

Rico Pfirstinger

copyright Rico Pfirstinger 2002

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