Hollywood Insider März 2002

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Hollywood Insider

Kolumne von Rico Pfirstinger

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Hollywood Insider - Neues aus der Traumfabrik
Nr. 17 - 14. März 2002

Bericht von Rico Pfirstinger

 

Tod und Spiele

Hollywood zieht die Samthandschuhe aus: Die Terroranschläge vom 11. September werden Stoff von Film- und Fernsehproduktionen. Außerdem: Das Oscar-Rennen wird zur Schlammschlacht, Hollywood neuer Trend zur Sparsamkeit und Microsofts hochgesteckte Kinopläne.

Im Land der unbegrenzten Selbstzensur gelang dem US-Fernsehsender CBS am Sonntagabend das brillante Kunststück, den größten Terrorangriff der Geschichte unblutig und ohne Horrorszenen darzustellen. Die zweistündige Dokumentation von Jules und Gedeon Naudet über den Einsturz des World Trade Centers war ein Hit: durchschnittlich 39 Millionen Menschen - etwa jeder dritte Hauhalt - schalteten sich zu. In den Werbepausen, "sponsored by Nextel", wurde Heldenkult betrieben und die Flagge hoch gehalten: Patriotismus pur, und selbstverständlich alles nur für einen guten Zweck.

Sechs Monate nach den Terroranschlägen wird es für die Fernsehmacher höchste Zeit, von den Ereignissen zu profitieren. CBS-Rivale ABC hat bereits die Rechte an Dennis Smiths Buch "Report from Ground Zero" aufgekauft, das die Ereignisse aus Retter-Perspektive schildert. Und der Pay-TV-Sender HBO zeigt Ende Mai einen Dokumentarfilm über das Desaster aus der Sicht des damaligen New Yorker Bürgermeisters Rudy Giuliani.

Goldie Hawn und ihre Firma Cosmic Entertainment wollen unterdessen ein TV-Drama über das Schicksal von Flug 93 produzieren. Das von Terroristen entführte Flugzeug stürzte am 11. September über Pennsylvania ab, an Bord - Stichwort "Let's roll" - sollen sich heldenhafte Szenen zugetragen haben. Der Film basiert auf einem in der Zeitschrift Vanity Fair erschienen Artikel.

Auch im Kino wird sich "9-11" nicht verhindern lassen: Das Filmstudio MGM erwarb die Rechte an "The Counter-Terrorrist", einem in der Zeitschrift New Yorker erschienen Bericht. Die Top-Agentur ICM will parallel dazu ein Projekt mit dem Titel "The Real Heros Are Dead" auf die Beine stellen - mit Susan Sarandon in einer der Hauptrollen und Multitalent Tim Robbins als Regisseur und Drehbuchautor. Auch dieser Film, eine romantische Tragödie vor dem Hintergrund der WTC-Anschläge, basiert auf einem Zeitschriftenartikel im New Yorker.

Schlammschlacht um Oscars

Ähnlich schmutzig wie der fortwährende "Krieg gegen den Terror" ist zurzeit auch der Kampf um Oscar-Ehren. Im Mittelpunkt der Schlammschlacht steht erneut der für acht Oscars nominierte Film "A Beautiful Mind" mit Russell Crowe. Der rechtslastige Internet-Kolumnist Matt Drudge erhob in seinem "Drudge-Report" den abenteuerlichen Vorwurf, die Filmbiographie über das schizophrene Mathematikgenie John Nash vertusche dessen Antisemitismus. Gleichzeitig berichtete die Klatschkolumne von Rupert Murdochs erzkonservativer New York Post von einem unehelichen Kind des Nobelpreisträgers, um das sich dieser nie gekümmert haben soll.

Die Schmutzkampagne flammte selbstverständlich just in jener Woche auf, in der die Oscar-Wähler (unter ihnen viele Juden) ihre Stimmzettel ausfüllen - Abgabetermin ist der 19. März. Kurz vor den Oscar-Nominierungen hatte Drudge bereits auf die homosexuellen Neigungen des Mathematikers verwiesen, die im Film totgeschwiegen würden. Insider vermuten ein konkurrierendes Studio hinter der Kampagne. Schärfster Konkurrent von "A Beautiful Mind" ist das von New Line produzierte und für 13 Oscars nominierte Fantasy-Epos "Herr der Ringe". Die Trophäen werden am 24. März im neu gebauten Kodak Theater in Hollywood verteilt.

Probleme gibt es weiterhin mit Russell Crowe, dessen rüpelhafter Auftritt nach der britischen Filmpreisverleihung dem Schauspieler viele Sympathien (und vermutlich Oscar-Stimmen) kostete. Die britische Entertainment-Zeitschrift Empire warf nun ein exklusives Interview mit dem Australier in den Papierkorb, in dem dieser 157 Kraftausdrücke abgesondert haben soll. Crowes um das Image ihres Schützlings besorgte Publizisten baten die Zeitschrift ein paar Tage nach dem Stargespräch um eine Wiederholung, in dem Crowe sich dann deutlich gesitteter verhielt. Gedruckt wird nun allein das zweite Interview.

Sparfimmel: Hollywood-Filme werden billiger

Trotz Terror war 2001 Hollywoods bisher einträglichstes Jahr: Die Einnahmen an der Kinokasse lagen fünf Prozent über den Rekordzahlen des Vorjahres. Gleichzeitig werden die Filme immer billiger. Die durchschnittlichen Produktionskosten der großen Studios lagen letztes Jahr bei 47,7 Millionen Dollar pro Film - satte 13 Prozent unter dem Durchschnittswert vom Jahr davor.

Ein Grund für die neue Sparsamkeit ist die Verlagerung von Produktionen aus der Traumfabrik ins Ausland: Australien, Neuseeland und vor allem Kanada spielen dabei Schlüsselrollen. Hollywood-Produzentin Gale Anne Hurd ("Aliens", "Abyss", "Terminator 2") verlangt von der US-Regierung deshalb steuerliche Anreize, macht aber auch den aus US-Sicht attraktiven Dollarwechselkurs für die Situation verantwortlich.

Hurd selbst ist Hollywood bei ihrer letzten Produktion allerdings treu geblieben: Das auf ein jugendliches Publikum zugeschnittene Sci-Fi-Spektakel "Clockstoppers" (D-Start: 27.6.02) mit Jesse Bradford wurde in Los Angeles gedreht - in anstrengenden aber Kosten sparenden Sechstagewochen. Auch Hurds neues Großprojekt, die Comic-Verfilmung "The Hulk" von Regisseur Ang Lee, wird brav in Hollywood gemacht. Der aufwändige Film mit Jennifer Connelly, Nick Nolte und Sam Elliott soll im Sommer 2003 ins Kino kommen und sich von anderen Comic-Projekten durch seine komplexe Figurenzeichnung unterscheiden.

Fortsetzung folgt: Weitere Sequels angekündigt

Der Schlittenhunde-Streifen "Snow Dogs" ist in Deutschland derzeit völlig unbekannt - vor allem deshalb, weil der Familienfilm mit Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr. hier erst im Oktober in die Kinos kommt. In den USA hat sich die 35 Millionen Dollar teure Husky-Comedy um einen schwarzen Zahnarzt und sein Schlittenhunde-Team jedoch bereits rentiert. Produzent Jordan Kerner arbeitet schon fieberhaft am Drehbuch für die Fortsetzung, die nicht mehr in Alaska, sondern mitten in New York City angesiedelt ist.

Auch Jerry Bruckheimer ist auf dem Sequel-Trip. Auf der Kinomesse in Las Vegas gab der "Pearl Harbor"-Produzent bekannt, dass die lange geplante Fortsetzung der Erfolgskomödie "Bad Boys" mit Will Smith und Martin Lawrence endlich abgesegnet ist. Regie führt wie beim ersten Streifen Michael Bay ("Armageddon").

Die Leinwandfassung des Videospiels "Resident Evil" ist noch gar nicht in den Kinos, da wurde bereits eine Fortsetzung beschlossen. Regisseur Paul Anderson wird auch das Sequel schreiben und produzieren, Arbeitstitel: "Nemesis". Der Trend zu Kinofassungen von Videospielen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auch die Software-Schmiede Microsoft möchte zahlreiche Xbox-Titel auf die Leinwand bringen. Die Top-Agentur CAA soll für die nötigen Kontakte sorgen und Spiele wie "Halo", "Age of Empires" und "Crimson Skies" von Hollywood verfilmen lassen.

Rico Pfirstinger

copyright Rico Pfirstinger 2002

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