| Oscar-Fieber
Schmutzige Wäsche à la Hollywood: Wenige Tage vor der
Oscar-Feier bestimmt die Schlammschlacht um Ron Howards Filmbiographie "A
Beautiful Mind" die Titelseiten großer US-Tageszeitungen. Außerdem:
Die irische Popgöre Samantha Mumba geht nach Hollywood, Arnold
Schwarzenegger will noch einmal "Conan" sein, und Filmemacher Barry Sonnenfeld
wirft Internet-Guru Harry Knowles den Fehdehandschuh hin.
Das Schmierentheater um den für acht Oscars nominieren Film "A
Beautiful Mind" ist in den USA ein nationales Medienthema. Die New York Times
und die Los Angeles Times setzten die Schlammschlacht unlängst auf die
Titelseiten, während der Mann, um den sich alles dreht, im Fernsehen
Rede und Antwort stand: Der unter Schizophrenie leidende Mathematiker und
Nobelpreisträger John Nash (72), dessen außergewöhnliche
Lebensgeschichte Ron Howards Film erzählt, verteidigte sich am Sonntagabend
auf dem Sender CBS. Nein, er sei kein Judenhasser. Nein, er sei nicht
homosexuell. Und nein, er habe schlimme Episoden seines Lebens nie verheimlicht
- auch nicht, dass er ein Rabenvater war.
Dass Nash ausgerechnet in der Oscar-Abstimmungswoche als Antisemit
betitelt wurde (ein Großteil der Akademiemitglieder sind Juden), markiert
den Tiefpunkt einer Auseinandersetzung, die seit Monaten zu heftigen Debatten
hinter den Kulissen Anlass gibt. Jeder verdächtigt jeden - einig ist
man sich jedoch in einem Punkt: Das böse Internet ist schuld.
Klatsch-Websites wie der "Drudge Report" spielen nur allzu gern die Rolle
von Durchlauferhitzern, die notfalls auch bizarren Blödsinn in die
etablierten Medien wuchten.
Dabei sind die Studios selbst schuld an der Misere. Längst steht
viel zu viel auf dem Spiel, als dass man sich in Fairness üben könnte.
Stattdessen geht es in der Traumfabrik so schmutzig zu wie in der Politik
- an allen Fronten wird gekämpft. Allein die Oscar-Kampagne für
"A Beautiful Mind" hat schätzungsweise 15 Millionen Dollar verschlungen,
doch ob der anfangs favorisierte Hauptdarsteller Russell Crowe am 24. März
tatsächlich gegen Denzel Washington gewinnen wird, wagt derzeit niemand
zu orakeln. Zumindest musikalisch ist Crowe dieser Tage auf dem Abstellgleis
gelandet. Das von seiner Band "Thirty Odd Foot Of Grunts" eingespielte Album
"Clarity" verkaufte sich in Großbritannien in der Startwoche nur 156
Mal.
Weil jede Oscar-Stimme zählt, werden die nominierten Stars und
Regisseure hektisch von einem PR-Termin zum nächsten durchgereicht.
Viele von ihnen konnte man in den letzten Wochen sogar in Hollywood-Seniorenheime
pilgern sehen, wo sie mit alternden Akademiemitgliedern zusammentrafen, um
sich deren Stimmen bei der Oscar-Wahl zu sichern. Gleichzeitig verbreiten
Heerscharen von PR-Leuten Propaganda, Lügen und Gerüchte, um den
jeweils eigenen Film nach vorn zu bringen und die Konkurrenz zu
diffamieren.
Bleibt nur noch zwei Fragen offen: Wer gewinnt am nächsten Sonntag,
und wann dreht Hollywood endlich selbst einen Film über die
alljährliche Oscar-Schlacht?
"The Time Machine": Popstar Samantha Mumba geht nach
Hollywood
Mit gerade einmal 19 Jahren ist Samantha Mumba in ihrer Heimat
Großbritannien schon ein echter Star. Nach dem Erfolg ihres
Debütalbums "Gotta Tell You" kommt demnächst ihre zweite CD heraus,
und die soll, meint die in Irland aufgewachsene Sängerin, noch viel
besser als die erste sein. Zu allem Überfluss hat die attraktive Tochter
einer irischen Mutter und eines sambischen Vaters auch noch eine Hauptrolle
in einer großen Hollywood-Produktion gelandet: In "Time Machine" (D-Start:
21.3.02) nach H G. Wells ist Mumba dieser Tage an der Seite von Guy Pearce
("Memento") zu sehen.
Inzwischen ist der Nachwuchsstar von Irland nach Los Angeles umgezogen
und lebt dort abwechselnd in Santa Monica und West Hollywood. Trotz der
zahlreichen Möglichkeiten ist sie dort jedoch kein Party-Girl - nur
auf die Grammy-Feier wäre sie sehr gern gegangen, konnte aber nicht.
Stattdessen saß sie in einem Flugzeug nach Chicago, um dort Promotion
für "The Time Machine" zu machen.
Dass sie in Hollywood nun alle Stars und Vorbilder aus ihrer Jugendzeit
persönlich kennen lernen darf, findet die Jungschauspielerin nicht wirklich
gut, denn: "In Wirklichkeit sind die oft nicht so toll, wie ich sie mir
vorgestellt habe. Ich bewahre mir da lieber meine Illusionen." Auch neue
Freunde will sie in Los Angeles nicht finden. "Die alten, die ich habe, reichen
völlig aus."
Barry Sonnenfeld: Kein Herz für Internet-Spione
Internet-Guru Harry Knowles ist in der Filmbranche gefürchtet.
Auf seiner Websites "aint-it-cool.com" verbreitet er von Austin (Texas) aus
Gerüchte über neue Filme - lange bevor sie in die Kinos kommen.
Sein jüngster Coup: Knowles hat am letzten Wochenende einen Rohschnitt
von "Star Wars: Episode 2" (D-Start: 16.5.02) gesehen, das bislang
bestgehütete Geheimnis dieses Kinojahres. Zum Glück für Lucasfilm
und den Verleih hält Knowles den Film für sehr gelungen - die Folgen
für die Einspielzahlen könnten sonst verheerend sein. Erst letztes
Jahr versenkte Knowles mit einem grausamen Vorab-Verriss den Streifen
"Rollerball" (D-Start: 28.3.02). Als Reaktion auf Knowles' vernichtende Kritik
wurde der Film vom Studio einige Monate lang auf Eis gelegt und schließlich
umgeschnitten - und ging am Ende trotzdem bei den Kritikern und an den Kinokassen
baden.
Für Barry Sonnenfeld, den Regisseur von Blockbustern wie "Men
in Black" und "Wild Wild West", ist Harry Knowles deshalb ein
Branchenschädling. "Er ist ein Fan und Überzeugungstäter,
der es ganz sicherlich nicht böse meint, aber er richtet trotzdem
großen Schaden an", erklärte Sonnenfeld am Sonntag anlässlich
eines Interviewtermins für seinem neuen Film "Big Trouble" ("Jede Menge
Ärger"), der im Juni in die deutschen Kinos kommt. Die Hollywood-Studios
haben vor der Spionagetätigkeit von Ain't-it-cool-News mittlerweile
so großen Respekt, dass sie auf Testvorführungen vielfach verzichten.
Dort sitzen nämlich immer Knowles-Spione, die anschließend auf
dessen Website Kritiken veröffentlichen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren testet Sonnenfeld seine
noch unfertigen Filme gern vor einem ganz normalen Publikum, um anhand der
Reaktionen jene Stellen auszumachen, wo Verbesserungsbedarf besteht. Sonnensfelds
Filme sind im Rohschnitt zudem oft zu kurz - "Big Trouble" etwa brachte es
in einer ersten Fassung nur auf gut 70 Minuten Länge. Am Ende wurde
die urkomische Ensemble-Komödie mit Tim Allen und Rene Russo immerhin
85 Minuten lang. Im Juli kommt Sonnenfelds nächster Film, die Fortsetzung
von "Men in Black", in unsere Kinos. Neben Will Smith und Tommy Lee Jones
hat darin auch der Popstar Michael Jackson einen Kurzauftritt. Sonnenfeld
garantiert jedoch dafür, dass Jackson keinen Alien spielt.
Regisseur Paul Anderson, dessen Videospielverfilmung "Resident Evil"
diese Woche in die deutschen Kinos kommt, kann Testvorführungen im Gegensatz
zu Sonnenfeld recht wenig abgewinnen. "Klar: Wenn die Kids jubeln und
applaudieren, weiß man, dass man richtig liegt", meinte der Regisseur
am Montag kurz vor der Europapremiere des Films in Berlin. Bei genauerer
Betrachtung seien die bei solchen Tests gewonnen Ergebnisse jedoch oftmals
unbrauchbar.
Arnold Schwarzenegger: Conan forever
"Mr. Aktschn" kann's nicht lassen: Auch nach "Terminator 3" bleibt
Arnold Schwarzenegger seinen Wurzeln treu und wird noch einmal "Conan - der
Barbar" verkörpern. John Milius, der Regisseur des Originals von 1982,
schreibt schon das Drehbuch für den neuen Film, der Arnold alias Conan
im Gespann mit einem jüngeren Schwertkämpfer präsentieren
soll.
Neben "Conan" plant Schwarzenegger außerdem ein Remake des
Sci-Fi-Thrillers "Westworld", wo er einen mechanischen Revolverhelden spielen
will. Im Original von 1973 brillierte Yul Brynner in der legendären
Roboter-Rolle.
Rico
Pfirstinger
copyright Rico Pfirstinger 2002
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