Hollywood Insider März 2002

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Hollywood Insider

Kolumne von Rico Pfirstinger

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Hollywood Insider - Neues aus der Traumfabrik
Nr. 18 - 21. März 2002

Bericht von Rico Pfirstinger

 

Oscar-Fieber

Schmutzige Wäsche à la Hollywood: Wenige Tage vor der Oscar-Feier bestimmt die Schlammschlacht um Ron Howards Filmbiographie "A Beautiful Mind" die Titelseiten großer US-Tageszeitungen. Außerdem: Die irische Popgöre Samantha Mumba geht nach Hollywood, Arnold Schwarzenegger will noch einmal "Conan" sein, und Filmemacher Barry Sonnenfeld wirft Internet-Guru Harry Knowles den Fehdehandschuh hin.

Das Schmierentheater um den für acht Oscars nominieren Film "A Beautiful Mind" ist in den USA ein nationales Medienthema. Die New York Times und die Los Angeles Times setzten die Schlammschlacht unlängst auf die Titelseiten, während der Mann, um den sich alles dreht, im Fernsehen Rede und Antwort stand: Der unter Schizophrenie leidende Mathematiker und Nobelpreisträger John Nash (72), dessen außergewöhnliche Lebensgeschichte Ron Howards Film erzählt, verteidigte sich am Sonntagabend auf dem Sender CBS. Nein, er sei kein Judenhasser. Nein, er sei nicht homosexuell. Und nein, er habe schlimme Episoden seines Lebens nie verheimlicht - auch nicht, dass er ein Rabenvater war.

Dass Nash ausgerechnet in der Oscar-Abstimmungswoche als Antisemit betitelt wurde (ein Großteil der Akademiemitglieder sind Juden), markiert den Tiefpunkt einer Auseinandersetzung, die seit Monaten zu heftigen Debatten hinter den Kulissen Anlass gibt. Jeder verdächtigt jeden - einig ist man sich jedoch in einem Punkt: Das böse Internet ist schuld. Klatsch-Websites wie der "Drudge Report" spielen nur allzu gern die Rolle von Durchlauferhitzern, die notfalls auch bizarren Blödsinn in die etablierten Medien wuchten.

Dabei sind die Studios selbst schuld an der Misere. Längst steht viel zu viel auf dem Spiel, als dass man sich in Fairness üben könnte. Stattdessen geht es in der Traumfabrik so schmutzig zu wie in der Politik - an allen Fronten wird gekämpft. Allein die Oscar-Kampagne für "A Beautiful Mind" hat schätzungsweise 15 Millionen Dollar verschlungen, doch ob der anfangs favorisierte Hauptdarsteller Russell Crowe am 24. März tatsächlich gegen Denzel Washington gewinnen wird, wagt derzeit niemand zu orakeln. Zumindest musikalisch ist Crowe dieser Tage auf dem Abstellgleis gelandet. Das von seiner Band "Thirty Odd Foot Of Grunts" eingespielte Album "Clarity" verkaufte sich in Großbritannien in der Startwoche nur 156 Mal.

Weil jede Oscar-Stimme zählt, werden die nominierten Stars und Regisseure hektisch von einem PR-Termin zum nächsten durchgereicht. Viele von ihnen konnte man in den letzten Wochen sogar in Hollywood-Seniorenheime pilgern sehen, wo sie mit alternden Akademiemitgliedern zusammentrafen, um sich deren Stimmen bei der Oscar-Wahl zu sichern. Gleichzeitig verbreiten Heerscharen von PR-Leuten Propaganda, Lügen und Gerüchte, um den jeweils eigenen Film nach vorn zu bringen und die Konkurrenz zu diffamieren.

Bleibt nur noch zwei Fragen offen: Wer gewinnt am nächsten Sonntag, und wann dreht Hollywood endlich selbst einen Film über die alljährliche Oscar-Schlacht?

"The Time Machine": Popstar Samantha Mumba geht nach Hollywood

Mit gerade einmal 19 Jahren ist Samantha Mumba in ihrer Heimat Großbritannien schon ein echter Star. Nach dem Erfolg ihres Debütalbums "Gotta Tell You" kommt demnächst ihre zweite CD heraus, und die soll, meint die in Irland aufgewachsene Sängerin, noch viel besser als die erste sein. Zu allem Überfluss hat die attraktive Tochter einer irischen Mutter und eines sambischen Vaters auch noch eine Hauptrolle in einer großen Hollywood-Produktion gelandet: In "Time Machine" (D-Start: 21.3.02) nach H G. Wells ist Mumba dieser Tage an der Seite von Guy Pearce ("Memento") zu sehen.

Inzwischen ist der Nachwuchsstar von Irland nach Los Angeles umgezogen und lebt dort abwechselnd in Santa Monica und West Hollywood. Trotz der zahlreichen Möglichkeiten ist sie dort jedoch kein Party-Girl - nur auf die Grammy-Feier wäre sie sehr gern gegangen, konnte aber nicht. Stattdessen saß sie in einem Flugzeug nach Chicago, um dort Promotion für "The Time Machine" zu machen.

Dass sie in Hollywood nun alle Stars und Vorbilder aus ihrer Jugendzeit persönlich kennen lernen darf, findet die Jungschauspielerin nicht wirklich gut, denn: "In Wirklichkeit sind die oft nicht so toll, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich bewahre mir da lieber meine Illusionen." Auch neue Freunde will sie in Los Angeles nicht finden. "Die alten, die ich habe, reichen völlig aus."

Barry Sonnenfeld: Kein Herz für Internet-Spione

Internet-Guru Harry Knowles ist in der Filmbranche gefürchtet. Auf seiner Websites "aint-it-cool.com" verbreitet er von Austin (Texas) aus Gerüchte über neue Filme - lange bevor sie in die Kinos kommen. Sein jüngster Coup: Knowles hat am letzten Wochenende einen Rohschnitt von "Star Wars: Episode 2" (D-Start: 16.5.02) gesehen, das bislang bestgehütete Geheimnis dieses Kinojahres. Zum Glück für Lucasfilm und den Verleih hält Knowles den Film für sehr gelungen - die Folgen für die Einspielzahlen könnten sonst verheerend sein. Erst letztes Jahr versenkte Knowles mit einem grausamen Vorab-Verriss den Streifen "Rollerball" (D-Start: 28.3.02). Als Reaktion auf Knowles' vernichtende Kritik wurde der Film vom Studio einige Monate lang auf Eis gelegt und schließlich umgeschnitten - und ging am Ende trotzdem bei den Kritikern und an den Kinokassen baden.

Für Barry Sonnenfeld, den Regisseur von Blockbustern wie "Men in Black" und "Wild Wild West", ist Harry Knowles deshalb ein Branchenschädling. "Er ist ein Fan und Überzeugungstäter, der es ganz sicherlich nicht böse meint, aber er richtet trotzdem großen Schaden an", erklärte Sonnenfeld am Sonntag anlässlich eines Interviewtermins für seinem neuen Film "Big Trouble" ("Jede Menge Ärger"), der im Juni in die deutschen Kinos kommt. Die Hollywood-Studios haben vor der Spionagetätigkeit von Ain't-it-cool-News mittlerweile so großen Respekt, dass sie auf Testvorführungen vielfach verzichten. Dort sitzen nämlich immer Knowles-Spione, die anschließend auf dessen Website Kritiken veröffentlichen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren testet Sonnenfeld seine noch unfertigen Filme gern vor einem ganz normalen Publikum, um anhand der Reaktionen jene Stellen auszumachen, wo Verbesserungsbedarf besteht. Sonnensfelds Filme sind im Rohschnitt zudem oft zu kurz - "Big Trouble" etwa brachte es in einer ersten Fassung nur auf gut 70 Minuten Länge. Am Ende wurde die urkomische Ensemble-Komödie mit Tim Allen und Rene Russo immerhin 85 Minuten lang. Im Juli kommt Sonnenfelds nächster Film, die Fortsetzung von "Men in Black", in unsere Kinos. Neben Will Smith und Tommy Lee Jones hat darin auch der Popstar Michael Jackson einen Kurzauftritt. Sonnenfeld garantiert jedoch dafür, dass Jackson keinen Alien spielt.

Regisseur Paul Anderson, dessen Videospielverfilmung "Resident Evil" diese Woche in die deutschen Kinos kommt, kann Testvorführungen im Gegensatz zu Sonnenfeld recht wenig abgewinnen. "Klar: Wenn die Kids jubeln und applaudieren, weiß man, dass man richtig liegt", meinte der Regisseur am Montag kurz vor der Europapremiere des Films in Berlin. Bei genauerer Betrachtung seien die bei solchen Tests gewonnen Ergebnisse jedoch oftmals unbrauchbar.

Arnold Schwarzenegger: Conan forever

"Mr. Aktschn" kann's nicht lassen: Auch nach "Terminator 3" bleibt Arnold Schwarzenegger seinen Wurzeln treu und wird noch einmal "Conan - der Barbar" verkörpern. John Milius, der Regisseur des Originals von 1982, schreibt schon das Drehbuch für den neuen Film, der Arnold alias Conan im Gespann mit einem jüngeren Schwertkämpfer präsentieren soll.

Neben "Conan" plant Schwarzenegger außerdem ein Remake des Sci-Fi-Thrillers "Westworld", wo er einen mechanischen Revolverhelden spielen will. Im Original von 1973 brillierte Yul Brynner in der legendären Roboter-Rolle.

Rico Pfirstinger

copyright Rico Pfirstinger 2002

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