| Black is beautiful
Der Preis ist heiß: Ein Oscar-Abend voller Spannung (aber
ohne große Überraschungen) versöhnte das schwarze Gewissen
Hollywoods, doch auf die Euphorie folgt bereits die Ernüchterung.
Außerdem: Wie Milla Jovovich ihr Herz erneut an einen Regisseur verlor,
wieso Michelle Rodriguez nicht nach Deutschland kommen konnte und ein Wiedersehen
mit "E.T." und Co.
Der Oscar-Triumph der schwarzen Stars könnte sich bald als
Pyrrhussieg entpuppen. Immer mehr entsteht im Medienbild nämlich der
Eindruck, Denzel Washington und Halle Berry hätten die Trophäen
vor allem wegen ihrer Hautfarbe gewonnen - und nicht etwa wegen ihres
schauspielerischen Könnens. Das wäre schade, denn zumindest Halle
Berry hat den Preis auch künstlerisch verdient. Anders Washington, der
dem Australier Russell Crowe in dieser Hinsicht nicht das Wasser reichen
konnte. Doch Crowe verspielte seine Oscar-Chancen hinter den Kulissen: Mit
seinem rüpelhaften Auftreten in den letzten Wochen hat er sich selbst
disqualifiziert. Viele Akademie-Mitglieder haben Crowe einen zweiten Oscar
schlichtweg nicht gegönnt.
Offenbar ohne negative Wirkung blieb dagegen die Schmierenkampagne
gegen Ron Howards "A Beautiful Mind", den Abräumer des Abends. Die
Filmbiographie über den schizophrenen Mathematiker John Nash trimphierte
in den Hauptkategorien "bester Film", "bester Regisseur", "bestes adaptiertes
Drehbuch" (Akiva Goldsman) und "beste Nebendarstellerin" (Jennifer Connelly).
Überraschungen gab es nur zwei: Sir Ian McKellen ("Herr der Ringe")
unterlag in der Kategorie "bester Nebendarsteller" gegen den weithin unbekannten
Briten Jim Broadbent ("Iris"), und "Amélie" aus Frankreich verlor
gegen die bosnische Kriegssatire "Niemandsland" als bester ausländischer
Film.
Der Verlierer des Abends heißt "Der Herr der Ringe". Das mit
13 Oscarnominierungen favorisierte Fantasy-Epos gewann nur in einigen wenig
prestigeträchtigen Nebenkategorien. Verloren hat aber auch ABC: Der
US-Fernsehsender verzeichnete die schlechtesten Oscar-Einschaltquoten
überhaupt. Die miesen Zahlen dürften für Whoopie Goldberg
das endgültige Aus als Moderatorin der Show bedeuten. Als Ersatz für
nächstes Jahr sind Oprah Winfrey und Jay Leno im Gespräch.
Milla Jovovich: Ein Herz für Regisseure
Action-Star Milla Jovovich (26) hat immer noch Probleme, zwischen
ihrem Beruf und dem Privatleben zu trennen. 1997 verliebte sich die Tochter
einer russischen Schauspielerin und eines serbischen Arztes am Set von "Das
fünfte Element" in den Filmemacher Luc Besson. Die beiden heirateten,
das gemeinsame Glück war jedoch nur von kurzer Dauer: Zwei Jahre
später flogen bei den Dreharbeiten von "Johanna von Orleans" die Fetzen,
es kam zum Bruch. Nun hat sich Jovovich in den britischen Regisseur Paul
Anderson verguckt. Die beiden lernten sich, wie sollte es anders sein, bei
den Dreharbeiten zu "Resident Evil" kennen, einer packenden Videospielverfilmung,
die seit einer Woche sehr erfolgreich in den deutschen Kinos
läuft.
Ans Heiraten und Kinderkriegen denkt das vor allem bei männlichen
Jugendlichen höchst beliebte Sexidol allerdings nicht. "Ich hab' mir
einen kleinen Hund gekauft, das reicht erstmal", scherzte Jovovich bei der
Deutschlandpremiere ihres Films in Berlin. Ihren männlichen Kollegen
kann sie übrigens nur wenig abgewinnen: "Männliche Schauspieler
sind eitle Primadonnen und bei den Dreharbeiten immer nur um ihren Teint
besorgt." Autsch, das hat gesessen!
Dass Jovovichs Co-Star Michelle Rodriguez (23) am vorletzten Montag
nicht zur Premiere ihres Films "Resident Evil" in Berlin erschien, lag offiziell
an einer "plötzlichen Erkrankung" der Schauspielerin, die in dem
Independent-Streifen "Girlfight" eine junge Boxerin verkörperte. Jedoch:
In Wirklichkeit war Rodriguez in ihrem Haus in Jersey City nach einer
Prügelei festgenommen worden, wo sie sich mit einer Mitbewohnerin gestritten
und dieser unter anderem mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Das
nicht näher identifizierte Opfer habe allerdings zurück gebissen
und Rodriguez die Bisswunde im Krankenhaus verarzten lassen
müssen.
Klassiker sind GROSS im Kommen
Wenn diese Woche mit "E.T." ein zwanzig Jahre alter Filmerfolg erneut
in unsere Kinos kommt, markiert dies nur der Anfang eines Trends. Die Neufassung
von Steven Spielbergs Alien-Streifen wurde optisch überarbeitet und
digital vertont, und obendrein gab's noch ein wenig Selbstzensur: Anstelle
von Gewehren halten die FBI-Agenten, die E.T.'s Heimreise verhindern wollen,
nun harmlose Funkgeräte in der Hand. Der Computer macht es
möglich.
Während sich Filmpuristen noch darüber streiten, ob solche
Nachbearbeitungen in Ordnung sind, ist Spielberg schon ein Stückchen
weiter. Der Filmemacher denkt darüber nach, auch "Indiana Jones" in
neuen Fassungen herauszubringen. Immerhin hat die Trilogie längst Kultstatus
erreicht, ein vierter Teil wird derzeit vorbereitet. Und auch George Lucas
hat offenbar vor, eine weitere "Special Edition" seiner ersten "Star
Wars"-Trilogie herauszubringen - quasi eine Überarbeitung der
Überarbeitung.
Ein Déja-vu gibt's demnächst auch für IMAX-Fans.
"Apollo 13" von Ron Howard soll nämlich bald im Ultragroßformat
zu sehen sein. Die 35mm-Negative des Originals wurden hierzu im Computer
auf das IMAX-Format um- und hochgerechnet. Hat die Aktion Erfolg, dürften
bald viele Hollywood-Epen auf der IMAX-Leinwand Einzug halten.
Rico
Pfirstinger
copyright Rico Pfirstinger 2002
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