| Summertime
In Hollywood beginnt der Sommer im April - gemeint sind damit jedoch
nicht die Außentemperaturen, sondern der Beginn der Popcorn-Saison
in den Filmtheatern. Außerdem: Leonardo DiCaprio macht sich zum
Weihnachtsfest selbst Konkurrenz, und Roland Emmerich und Wolfgang Petersen
ziehen in den Krieg.
"The Scorpion King" von Universal läutet dieses Jahr die Summer
Season ein: Am 19. April kommt die recht amüsante Mischung aus "Conan",
der Fernsehserie "Herkules" und "Indiana Jones" in die US-Kinos, und nur
eine knappe Woche später läuft der Streifen auch in Deutschland
an. Hauptdarsteller ist der WWF-Wrestler The Rock alias Dwayne Johnson (29),
der bereits jetzt als Nachfolger von Arnold Schwarzenegger gilt. Auf der
Leinwand unterstützt wird er von Michael Clarke Duncan (Oscar-Nominierung
für "The Green Mile") und der schönen Kelly Hu (35), mit der im
echten Leben nicht zu spaßen ist: Sie hat den schwarzen Gürtel
in Karate.
Schlag auf Schlag folgen die (potenziellen) Kassenschlager. Vor allem
Sony Pictures setzt in diesem Jahr auf Sommerware und hat dafür eine
gute Milliarde Dollar ausgegeben: Anfang Mai spinnt "Spider-Man" (D-Start:
6.6.02) sein Netz, gefolgt von "Men in Black 2" (D-Start: 11.7.02) und "Stuart
Little 2" (D-Start: 29.8.02) im Juli. Anfang August schließlich soll
"XXX", ein von Rob Cohen inszenierter Action-Streifen mit Vin Diesel, den
Blitzerfolg von "The Fast and the Furious" wiederholen. Insgesamt geht Sony
in den USA zwischen Mai und August mit neun Popcorn-Filmen an den Start -
genug, um sich dabei selbst Konkurrenz zu machen.
Doch es gibt auch noch die anderen großen Studios: Mitte Mai
etwa wird "Star Wars: Episode II" von Fox dem Spinnenmann gefährlich
werden. Im Juni startet Steven Spielbergs Sci-Fi-Action-Film "Minority Report"
(D-Start: 3.10.02) mit Tom Cruise in der Hauptrolle, der Juli gehört
Mike Myers in "Austin Powers 3" und im August sorgen die geheimnisvollen
"Signs - Zeichen" (D-Start: 12.9.02) von M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense")
für Gänsehaut. Mel Gibson spielt darin die Hauptrolle.
Leo gegen Leo: DiCaprio tritt Weihnachten gegen sich selber
an
Kein Wunder, dass so mancher Studioboss bei einem derart
überfüllten Schlachtfeld schnell die Reißleine bedient und
Filme auf den Herbst verschiebt. Zu ihnen zählt auch Harvey Weinstein,
der eigentlich als kaltblütig verschriene Chef von Miramax. Er verlegte
diese Woche Martin Scorseses Gangster-Epos "Gangs of New York" von Juli in
die Weihnachtszeit, wo der Film nun jedoch auf "Catch Me If You Can" von
Steven Spielberg trifft. Pikant: In beiden Filmen spielt Leonardo DiCaprio
die Hauptrolle.
Flops in Serie: Der Fluch des 11. September
Die Terrorwelle vom 11. September fordert an der Kinokasse immer noch
ihren Tribut: Nahezu alle Filme, die damals verschoben wurden, erwiesen sich
nämlich als Kassengift. Jüngstes Opfer ist Barry Sonnenfelds sehr
unterhaltsame Komödie "Jede Menge Ärger" (D-Start: 13.6.02), bei
der am Schluss ein Passagierflugzeug mit einer Atombombe an Bord beinahe
von der Air Force abgeschossen wird. Darüber will man in den USA ganz
offenbar nicht lachen.
Auch "Seitensprünge in New York" (D-Start: 23.5.02), ein
geschmeidiger Beziehungsreigen von Ed Burns, hatte es schwer: Der Streifen
spielte nur gut zwei Millionen Dollar ein. Hinter den Erwartungen
zurückgeblieben sind auch "The Last Castle" mit Robert Redford und
"Collateral Damage" mit Arnold Schwarzenegger. Große Namen, kleine
Wirkung - doch auch hier dienen die Terroranschläge als Sündenbock.
Die bittere Wahrheit aber ist: Die Filme waren einfach schlecht, und das
Publikum hat es gemerkt.
Als nächstes potenzielles Terroropfer wird bereits der Kriegsfilm
"Windtalkers" (D-Start: 1.8.02) gehandelt. Der von Action-Spezialist John
Woo ("M:I-2") inszenierte Streifen mit Nic Cage und Christian Slater sollte
eigentlich schon letztes Jahr ins Kino kommen, wurde dann aber
verschoben.
Deutsche Hollywood-Regisseure: Emmerich und Petersen ziehen in
den Krieg
Nun wurden auch die beiden deutschen Hollywood-Exporte Roland Emmerich
und Wolfgang Petersen vom aktuellen Epen-Fieber angesteckt. Petersen ("Der
Sturm") will Troja auf die Leinwand bringen: "The Trojan War" basiert auf
Homers "Ilias", für die Hauptrolle ist kein Geringerer als Brad Pitt
vorgesehen. Zuvor dreht Petersen jedoch für Warner Bros. noch ein neues
"Batman/Superman"-Projekt.
Roland Emmerich ("Der Patriot") hat vom Krieg ebenfalls noch nicht
genug: "Light of Peace" ist ein Charakterstück vor dem Hintergrund des
Ersten Weltkriegs, das die ungewöhnliche Freundschaft zweier Männer
auf verschiedenen Seiten der Front beschreibt.
Außerdem arbeitet Emmerich an einem Epos über die Mayas
sowie an einem neuen Sci-Fi-Streifen: "Alien Prison" erzählt das Schicksal
von sechs Menschen, die von Außerirdischen entführt wurden. Nach
qualvollen Jahren als Versuchskaninchen planen sie die Flucht zur Erde, um
eine Invasion der Aliens abzuwenden.
Rico
Pfirstinger
copyright Rico Pfirstinger 2002
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