| Der junge Mann von nebenan
Von Hollywood zu träumen - Jack Gerlach war das nicht genug:
Gleich nach dem Abi zog der 18-Jährige von Frankfurt nach Los Angeles.
Nun arbeitet der inzwischen 23 Jahre alte Regisseur an seinem zweiten Kinofilm.
Außerdem: Die virtuelle Filmhochschule - per Internet zum
Filmdiplom.
In Houston, Texas gab es wieder Preise abzuholen: Jack Gerlach (23),
pilgerte am letzten Wochenende in Begleitung seiner Mutter in die NASA-Metropole,
um beim "Worldfest Houston" drei Trophäen in Empfang zu nehmen - für
das Musikvideo "Disappear" der Sängerin "A Girl Named Jaen", sowie für
eine Internet- und eine Sprudelwasserwerbung. Wieder zuhause in Los Angeles
bereitet Jack, der seiner Heimat Frankfurt nach dem Waldorf-Abitur als
18-Jähriger den Rücken kehrte, nun seinen zweiten Spielfilm
vor.
In Deutschland träumen viele Jungs davon, in Hollywood ein Regisseur
zu werden. Jack Gerlach hat sich diesen Traum verwirklicht. Vor allem zwei
Faktoren haben ihm dabei geholfen: ein hohes Maß an Unbeirrbarkeit
und sein Talent zur Selbstdarstellung. Nur echte Macher kommen in der Traumfabrik
voran - wie Jack, der schon als Sechsjähriger mit einer Super-8-Filmkamera
des Opas erste Trickfilme mit Playmobil-Figuren produzierte und spätestens
mit 30 einen Oscar in der Tasche haben will. Klingt anmaßend? Für
deutsche Ohren ganz bestimmt. Doch Gerlachs Vorbild Steven Spielberg hat
einmal ganz ähnlich angefangen.
Nach dem Abi auf die Filmhochschule in Los Angeles
Nach seiner Ankunft in Los Angeles schrieb sich der Teenager am City
College und an der University of California ein, nannte sich fortan Jack
und trainierte den deutschen Akzent mit Sprachkassetten weg, die er auf dem
Weg zur Uni hörte. Nach Abschluss eines dreijährigen Filmstudiums
gründete Jack die Produktionsfirma Lightsource Entertainment Inc., mit
der er Werbespots, Musikvideos und seinen ersten Spielfilm "Love Philosophy"
produzierte - eine romantische Teenie-Komödie, die in Deutschland seit
einigen Wochen auch auf Video und DVD zu haben ist und vom Fachblatt "Videowoche"
wohlwollend besprochen wurde. Hauptdarsteller, Produktion, Regie und Drehbuch:
Jack Gerlach, der aus seinem wahren deutschen Vornamen inzwischen ein kleines
Geheimnis macht und sich - wohl nicht ganz unberechtigt - gerne als
jüngster deutscher Filmemacher Hollywoods verkauft.
"Parzival": Jack Gerlachs Ticket für die große
Leinwand
Gerlach hat mittlerweile einen ganzen Schrank voll Auszeichnungen
gewonnen: Telly, Virgo, Aegis und Aurora heißen die Trophäen,
doch außerhalb der Branche sind die Preise wohl nicht viel bekannter
als die Filme, für die sie schmücken sollen. Das soll sich
demnächst ändern: "Parzival", Gerlachs nächstes Projekt, ist
ein ausgewachsener Kinofilm. Das von Jack selbst verfasste Drehbuch basiert
auf Wolfram von Eschenbachs mittelalterlichem Minne-Epos, spielt jedoch in
der Gegenwart und handelt von einem jungen Mann, der sich auf die Suche nach
dem Heiligen Gral begibt. Ritter mutieren darin zu Geschäftsmännern,
die Tafelrunde zum Verhandlungstisch. Packende Schwertduelle wird es in dem
Streifen trotzdem geben, schließlich wurde "Parzival" als anspruchsvolles
Action-Drama konzipiert und operiert mit einem Budget von sechs Millionen
Dollar in der Liga von "Der Schuh des Manitu".
Finanzierung und Distribution sind, so Gerlach, nahezu unter Dach
und Fach, die Dreharbeiten sollen diesen Herbst beginnen - allerdings nicht
in Hollywood, sondern in Mainhattan und dem hessischen Umland, mit US-Darstellern
in englischer Sprache. Als Hauptdarsteller wird sich Gerlach diesmal jedoch
nicht mehr selbst besetzen, er will statt dessen einen hippen Jungdarsteller
finden. Einen der Ritter will Ralf Möller spielen, der aus "Gladiator"
und "The Scorpion King" bekannte Action-Mime - ein Recklinghausener Zigarren-Fan
und Schwarzenegger-Protegé, der wie Jack Gerlach seit einigen Jahren
in der Traumfabrik sein Glück verfolgt.
Virtuelle Filmhochschulen: Per Internet zum Filmdiplom
Wem der Sprung nach Hollywood zu weit und das System der deutschen
Filmschulen zu provinziell erscheint, findet im Internet Alternativen: Virtuelle
Filmhochschulen bieten Online-Kurse an. Dahinter stehen zum Glück keine
Scharlatane, sondern renommierte Kaderschmieden.
Die "Global
Film School" etwa ist ein Gemeinschaftsprojekt der University of California
in Los Angeles (UCLA) mit der britischen National Film and Television School
und der australischen Film, Television and Radio School (AFTRS). Die beiden
ersten in einer ganzen Reihe von geplanten Online-Kursen heißen
"Screenwriting Fundamentals" und "Elements of Great Filmmaking", geplant
sind zudem Seminarreihen mit Top-Regisseuren sowie den Branchengrößen
Peter Bart (Variety) und Peter Guber (Mandalay Pictures).
Online-Kurse für angehende Filmemacher hat neuerdings auch das
renommierte American Film Institute (AFI) in seinem Programm. In Zusammenarbeit
mit der Columbia University und dem Online-Kursanbieter Fathom.com
(www.fathom.com/afi <http://www.fathom.com/afi>) entstand unter anderem
der Kurs "Digital Video: An Introduction With Michael Rubin", der die Geheimnisse
des digitalen Filmemachens lüftet - von der Ausrüstung über
die Dreharbeiten bis zum Schnitt.
Im Netz der Anwälte: "Spider-Man" verklagt
Superhelden haben's schwer. Sony Pictures' neuer Action-Streifen
"Spider-Man" (D-Start: 6.6.02) ist zwar eine gelungene Comic-Verfilmung und
ein garantierter Kassenhit, doch eben diese Aussicht auf Profit ruft in den
USA bereits die ersten Neider auf den Plan: Die Eigentümer einiger
Gebäude am New Yorker Times Square haben nun die Produktsfirma verklagt,
weil eine während der Dreharbeiten am Times Square prangende
"Samsung"-Leuchtreklame per Trickcomputer durch eine Werbung für die
Tageszeitung "USA Today" ersetzt worden sein soll. Hintergrund: Samsung ist,
jedenfalls in der Unterhaltungselektronik, ein bekannter
Sony-Konkurrent.
Die Kläger sind der Ansicht, dass die riesenhafte Leuchtreklame
im fertigen Film nicht mehr verändert hätte werden dürfen.
Und so unglaublich es klingen mag: In den USA hat eine derartige Klage, das
zeigt zumindest die Erfahrung, durchaus Aussicht auf Erfolg. Das Ganze
könnte sich jedoch als Sturm im Wasserglas entpuppen, denn am vergangenen
Wochenende war das angeblich ersetzte Logo bei den amerikanischen
"Spider-Man"-Pressevorführungen wieder in voller Pracht zu sehen.
Rico
Pfirstinger
copyright Rico Pfirstinger 2002
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