Hollywood Insider April 2002

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Hollywood Insider

Kolumne von Rico Pfirstinger

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Hollywood Insider - Neues aus der Traumfabrik
Nr. 22 - 18.4.2002

Bericht von Rico Pfirstinger

 

Der junge Mann von nebenan

Von Hollywood zu träumen - Jack Gerlach war das nicht genug: Gleich nach dem Abi zog der 18-Jährige von Frankfurt nach Los Angeles. Nun arbeitet der inzwischen 23 Jahre alte Regisseur an seinem zweiten Kinofilm. Außerdem: Die virtuelle Filmhochschule - per Internet zum Filmdiplom.

In Houston, Texas gab es wieder Preise abzuholen: Jack Gerlach (23), pilgerte am letzten Wochenende in Begleitung seiner Mutter in die NASA-Metropole, um beim "Worldfest Houston" drei Trophäen in Empfang zu nehmen - für das Musikvideo "Disappear" der Sängerin "A Girl Named Jaen", sowie für eine Internet- und eine Sprudelwasserwerbung. Wieder zuhause in Los Angeles bereitet Jack, der seiner Heimat Frankfurt nach dem Waldorf-Abitur als 18-Jähriger den Rücken kehrte, nun seinen zweiten Spielfilm vor.

In Deutschland träumen viele Jungs davon, in Hollywood ein Regisseur zu werden. Jack Gerlach hat sich diesen Traum verwirklicht. Vor allem zwei Faktoren haben ihm dabei geholfen: ein hohes Maß an Unbeirrbarkeit und sein Talent zur Selbstdarstellung. Nur echte Macher kommen in der Traumfabrik voran - wie Jack, der schon als Sechsjähriger mit einer Super-8-Filmkamera des Opas erste Trickfilme mit Playmobil-Figuren produzierte und spätestens mit 30 einen Oscar in der Tasche haben will. Klingt anmaßend? Für deutsche Ohren ganz bestimmt. Doch Gerlachs Vorbild Steven Spielberg hat einmal ganz ähnlich angefangen.

Nach dem Abi auf die Filmhochschule in Los Angeles

Nach seiner Ankunft in Los Angeles schrieb sich der Teenager am City College und an der University of California ein, nannte sich fortan Jack und trainierte den deutschen Akzent mit Sprachkassetten weg, die er auf dem Weg zur Uni hörte. Nach Abschluss eines dreijährigen Filmstudiums gründete Jack die Produktionsfirma Lightsource Entertainment Inc., mit der er Werbespots, Musikvideos und seinen ersten Spielfilm "Love Philosophy" produzierte - eine romantische Teenie-Komödie, die in Deutschland seit einigen Wochen auch auf Video und DVD zu haben ist und vom Fachblatt "Videowoche" wohlwollend besprochen wurde. Hauptdarsteller, Produktion, Regie und Drehbuch: Jack Gerlach, der aus seinem wahren deutschen Vornamen inzwischen ein kleines Geheimnis macht und sich - wohl nicht ganz unberechtigt - gerne als jüngster deutscher Filmemacher Hollywoods verkauft.

"Parzival": Jack Gerlachs Ticket für die große Leinwand

Gerlach hat mittlerweile einen ganzen Schrank voll Auszeichnungen gewonnen: Telly, Virgo, Aegis und Aurora heißen die Trophäen, doch außerhalb der Branche sind die Preise wohl nicht viel bekannter als die Filme, für die sie schmücken sollen. Das soll sich demnächst ändern: "Parzival", Gerlachs nächstes Projekt, ist ein ausgewachsener Kinofilm. Das von Jack selbst verfasste Drehbuch basiert auf Wolfram von Eschenbachs mittelalterlichem Minne-Epos, spielt jedoch in der Gegenwart und handelt von einem jungen Mann, der sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral begibt. Ritter mutieren darin zu Geschäftsmännern, die Tafelrunde zum Verhandlungstisch. Packende Schwertduelle wird es in dem Streifen trotzdem geben, schließlich wurde "Parzival" als anspruchsvolles Action-Drama konzipiert und operiert mit einem Budget von sechs Millionen Dollar in der Liga von "Der Schuh des Manitu".

Finanzierung und Distribution sind, so Gerlach, nahezu unter Dach und Fach, die Dreharbeiten sollen diesen Herbst beginnen - allerdings nicht in Hollywood, sondern in Mainhattan und dem hessischen Umland, mit US-Darstellern in englischer Sprache. Als Hauptdarsteller wird sich Gerlach diesmal jedoch nicht mehr selbst besetzen, er will statt dessen einen hippen Jungdarsteller finden. Einen der Ritter will Ralf Möller spielen, der aus "Gladiator" und "The Scorpion King" bekannte Action-Mime - ein Recklinghausener Zigarren-Fan und Schwarzenegger-Protegé, der wie Jack Gerlach seit einigen Jahren in der Traumfabrik sein Glück verfolgt.

Virtuelle Filmhochschulen: Per Internet zum Filmdiplom

Wem der Sprung nach Hollywood zu weit und das System der deutschen Filmschulen zu provinziell erscheint, findet im Internet Alternativen: Virtuelle Filmhochschulen bieten Online-Kurse an. Dahinter stehen zum Glück keine Scharlatane, sondern renommierte Kaderschmieden.

Die "Global Film School" etwa ist ein Gemeinschaftsprojekt der University of California in Los Angeles (UCLA) mit der britischen National Film and Television School und der australischen Film, Television and Radio School (AFTRS). Die beiden ersten in einer ganzen Reihe von geplanten Online-Kursen heißen "Screenwriting Fundamentals" und "Elements of Great Filmmaking", geplant sind zudem Seminarreihen mit Top-Regisseuren sowie den Branchengrößen Peter Bart (Variety) und Peter Guber (Mandalay Pictures).

Online-Kurse für angehende Filmemacher hat neuerdings auch das renommierte American Film Institute (AFI) in seinem Programm. In Zusammenarbeit mit der Columbia University und dem Online-Kursanbieter Fathom.com (www.fathom.com/afi <http://www.fathom.com/afi>) entstand unter anderem der Kurs "Digital Video: An Introduction With Michael Rubin", der die Geheimnisse des digitalen Filmemachens lüftet - von der Ausrüstung über die Dreharbeiten bis zum Schnitt.

Im Netz der Anwälte: "Spider-Man" verklagt

Superhelden haben's schwer. Sony Pictures' neuer Action-Streifen "Spider-Man" (D-Start: 6.6.02) ist zwar eine gelungene Comic-Verfilmung und ein garantierter Kassenhit, doch eben diese Aussicht auf Profit ruft in den USA bereits die ersten Neider auf den Plan: Die Eigentümer einiger Gebäude am New Yorker Times Square haben nun die Produktsfirma verklagt, weil eine während der Dreharbeiten am Times Square prangende "Samsung"-Leuchtreklame per Trickcomputer durch eine Werbung für die Tageszeitung "USA Today" ersetzt worden sein soll. Hintergrund: Samsung ist, jedenfalls in der Unterhaltungselektronik, ein bekannter Sony-Konkurrent.

Die Kläger sind der Ansicht, dass die riesenhafte Leuchtreklame im fertigen Film nicht mehr verändert hätte werden dürfen. Und so unglaublich es klingen mag: In den USA hat eine derartige Klage, das zeigt zumindest die Erfahrung, durchaus Aussicht auf Erfolg. Das Ganze könnte sich jedoch als Sturm im Wasserglas entpuppen, denn am vergangenen Wochenende war das angeblich ersetzte Logo bei den amerikanischen "Spider-Man"-Pressevorführungen wieder in voller Pracht zu sehen.

Rico Pfirstinger

copyright Rico Pfirstinger 2002

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